Durch das Death Valley

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NE 158 E, NE 95 W, NE 160 S: Pahrump

Fahrt ins südliche Death Valley

Wir fahren vom Toiyable National Forest wieder in die Ebene. Noch oben am Berghang kommen wir bei einem Denkmal vorbei. Es ist auf einem Aussichtspunkt einer ganz besonderen Touristen-Attraktion gebaut worden. Zu diesem Punkt sind noch lange nach dem 2. Weltkrieg Busreisen organisiert worden, um die oberirdischen Atomtests live miterleben zu können. Man hat hier eine wirklich gute Aussicht über das etwa 25000km² große Gebiet der Nevada Test Site. Ich möchte ja wirklich nicht daran denken, was dort heute alles so getestet wird.

Bei der Abfahrt ins breite Tal bleiben wir noch stehen und bestaunen die vereinzelten Joshua Trees, die hier noch herumstehen, aus der Nähe. Unten angekommen, gut 1000 Meter tiefer, sind wir dann wieder weit von jeder Vegetation entfernt. Die riesige Mojave Wüste gewinnt mehr und mehr an Einfluss. Dann geht es wieder auf dem spiegelnden schwarzen Highway entlang, der am Horizont mit dem Himmel verschmilzt. Hier ist kaum jemand unterwegs. In diesem äußerst unwirtlichen Gebiet ist überhaupt alles vereint, was scheinbar aus der übrigen Welt hierher verbannt worden ist: hinter uns die Spielestadt Las Vegas, rechts von uns eine Miltärbasis nach der anderen (abwechselnd nukleare Testgebiete und Airforce Basen), links von uns sind einige Staatsgefängnisse aufgereiht (daher ist hier auch strengstes Verbot was die Mitnahme von Autostoppern betrifft). In ganz Amerika empfängt man zumindestens einen Country-Music-Sender. Hier empfangen wir aber nur noch einen religiösen und einen klassischen Sender. Wir nennen sie ab jetzt die „Gefangenensender“.

Highway zwischen Las Vegas und Death Valley. Hier ist rein gar nix los. Die heisse Luft erzeugt Spiegelungen auf der Strasse oder lässt diese am Horizont verschwinden.

Saguaro an einer Tankstelle in Pahrump

Wir müssen einen Umweg auf uns nehmen, um die Spring Mountains zu umkreisen. In Pahrump, dem einzigen richtigen Ort, den wir heute erreichen werden, schlagen wir wieder unsere eigentliche Richtung ein, nämlich Süd-West. Es ist dies ein Wüstenort, dessen einziger Existenzgrund die zwei Tankstellen zu sein scheinen. Wir nutzen natürlich auch die Gelegenheit zum Tanken, denn das Schild „Next Gas 200 Miles“ hat beste Werbewirksamkeit. Die Tankstelle ist recht nett herausgeputzt, mit ein paar frisch gepflanzten übermannshohen Saguro-Kakteen, dazwischen ein paar Andenken aus der Zeit der ersten Siedler. An den Kakteen hängt zwar noch das Schildchen mit der Aufschrift „Dept. of Agriculture, Arizona“. Es bleiben aber trotzdem die einzigen dieser Art, die wir zu Gesicht bekommen werden.

Grenze Nevada-California: Übergang der NE 372 W in die CA 178 N. Hinter der Bergkette im Bild liegt das Death Valley.

NE 372 W, NE 178 W: Shoshone (CA) 
CA 127 N, CA 178 W: Salsberry Pass, Furnace Creek 
CA 190 W: Stovepipe Wells, Emigrant Ranger Station

Bald nach Pahrump erreichen wir den vorletzten Bundesstaat dieser Reise, es ist dies allerdings auch der größte und wir verbringen einige Zeit hier. Das „Welcome to California“ Schild steht jedoch unerwarteter Weise nicht neben Palmen und Strand, sondern inmitten eines ausgedörrten Tales, bestehend aus Staub, Steinen und einigen verdorrten Büschen.

Autokennzeichen California

Über den Salsberry Pass (3287ft) geht es nochmals steil bergauf, dann hält aber die Tendenz in Richtung Hexenkessel an. Nach dem Jubilee Pass (nur noch 1000 m) führt uns die nicht besonders gute Straße ins Death Valley. Es ist ein gigantisches Tal, scheinbar ringsum von riesigen Bergen eingeschlossen. Höhenunterschiede von 3000 Meter sind hier nicht selten. Das Death Valley geht von hier nach Norden weiter. Dieser Punkt ist daher der südlichste unserer Reise (ca. 35,8°n.Br.). Je tiefer wir kommen, desto weniger wächst, am Ende nicht einmal mehr die vereinzelten Spuren von Büschen. Es liegen nur noch gebackene Steine im Sand herum und die Luft flimmert. Es ist noch vor Mittag, außen hat es schon weit über 40°C. Trotz Klimaanlage ist es im Auto fast unerträglich heiß.

Bad Water

Badwater

Nach etwa 50km Fahrt durch diese fremde Welt gelangen wir zum tiefsten Punkt Nordamerikas, Bad Water (-83 m). Es gibt hier tatsächlich Wasser, aber der Name ist sehr zutreffend, es riecht nicht besonders gut. Es ist uns nicht klar ob es an den mobilen WC-Anlagen oder aber an dem besagten „schlechten“ Wasser liegt: es ist dunkelgrün, rundum ist es ist es salz-weiß.

Blick über die trockene Salzseen im Death Valley nach Nordwesten.

Artist’s Palette

Den absurdesten Golfplatz der Welt, Devil’s Golf Course, lassen wir lieber links liegen, der kann nicht viel besser aussehen und zum Golfspielen sind wir gerade nicht aufgelegt. Statt dessen reizt uns die Geologie, einen kurzen Umweg zur Artists Palette zu machen. Dazu fahren wir ein kurzes Stück über den Meeresspiegel hinauf. Das Gestein legt hier wirklich Farben von violett über grün, gelb, verschiedenen Rottönen bis zu weiß alles vor. Es sind dies teils verschiedenfärbige vulkanische Aschen, wie auch verschiedene Oxidationsstadien des Gesteins. Mit dem strahlend blauen Mittagshimmel bildet das Ganze ein wunderbares Schauspiel, wenn’s nicht gar so heiß wäre… Bei der Abfahrt ins Tal sehen wir wilde Auswaschungen, wie sie am gegenüberliegenden Hang in noch gewaltigerer Form vorliegen (riesigen Schwemmkegel und -fächer). Daraus schließen wir, dass es auch hier manchmal ordentlich Schütten muss.

Artists Palette im Death Valley

Furnace Creek

Im Death Valley Village, einer kleinen Oase, stellen wir unser Auto unter Pappeln und Palmen, die hier hochgezüchtet werden und jausnen, so gut das halt bei der Hitze geht. Dabei beobachten wir ein paar Raben, die hier scheinbar auch existieren. Sie stehen regungslos im Schatten der Palmen und haben den Schnabel offen. Scheinbar ist ihnen damit etwas kühler. Christian versucht irgend etwas zu schreiben, das ist hier aber ganz und gar unmöglich, da die Hände zu viel schwitzen (alles tropft). In dem nicht sonderlich gepflegten Visitor Center ist es natürlich angenehm kühl. Wir halten dort aber vor allem Ausschau nach einer Übernachtungsmöglichkeit für den Abend. Es gibt zwar auch hier unten Campgrounds, doch selbst wenn es in der Nacht um 20° C abkühlen sollte, bleiben uns die übrigen 30° C zum Schlafen zu heiß. Gestern waren wir ja recht glücklich auf unserem Berg. Auf der Karte entdecken wir auch tatsächlich einen Campingplatz, der über dem Tal liegt und somit eine Spur kühler sein könnte. Als wir den Ranger fragen, wie man dort hinkommt, fragt uns dieser gleich nach unserem Auto. Als wir „Geo“ sagen, wird er ganz ernst und meint, dass die Strecke ohne Allradantrieb unmöglich zu schaffen sei. Kann uns das abschrecken? Natürlich nicht. Wir werden es trotzdem probieren, wäre ja nicht das erste Mal (und das alles für eine kühle Nacht…).

Death Valley Sand Dunes

Am Nachmittag geht es weiter durch das Tal, vorbei an dem riesigen Amargosa Salzsee. In dieser Wüste gibt es allerdings auch ein paar Sanddünen. Wo der Highway 190 nach Süd-Westen abzweigt, bei Stovepipe Wells sehen wir diese auch. Sie sind eher bescheiden. Wir fahren aber trotzdem hin und wollen ein Foto von einer unversehrten Düne (also ohne Fußspuren) machen. Dazu müssen wir natürlich ganz schön weit über die immer höher werdenden feinen Sanddünen hatschen. Schließlich ist es aber so weit. Witzigerweise wachsen ausgerechnet zwischen den Sanddünen einige relativ grüne Sträucher. Der Sand ist extrem hell im Vergleich zu den dunklen umgebenden Bergen.

Death Valley Sand Dunes: Die Dünen schauen aus und verhalten sich so wie Sanddünen in jeder Wüste. Besonders gross sind sie nicht. Im Hintergrund die Amagrose Range.

Der Thermometer zeigt 49.6°C. Das sind 121°F und dies übertrifft Las Vegas um zusätzliche 10°C. Es war wahrscheinlich noch wärmer, aber beim Umschalten auf über 50°C kippte die Flüssigkristallanzeige auf vollschwarz und war nicht mehr lesbar.

Als wir zum Auto zurückkommen, ist uns jedenfalls schon schön warm geworden. Wir machen noch eine Temperaturmessung im Schatten des Autos (einziger verfügbarer Schatten weit und breit). Es ist 16h30 am Nachmittag und das Thermometer zeigt uns immer noch milde 49,6°C an. Keine Gegend, wo man sich einen Schnupfen holen dürfte.

Zum Schlafen ist die Hitze jedenfalls nichts, also düsen wir jetzt schleunigst los, um noch an Höhe zu gewinnen. Wir verlassen das Death Valley über Stovepipe Wells (5 ft, 1.5m über Null), wo die Straße ordentlich an Steigung gewinnt. Es stehen zwar immer wieder Behälter mit Kühlflüssigkeit neben der Straße, aber wir wollen es ohne größere Pannen schaffen. Allerdings haben wir total verdrängt, dass unsere gute Klimaanlage für den Motor ja eine gewaltige Zusatzherausforderung bedeutet. Es beginnt das Kühlwasser (und auch sonst noch ein paar Flüssigkeiten) zu sprudeln. Wir schauen uns die Bescherung an und siehe da: es tritt nirgends etwas aus, also wird einfach die Heizung aufgedreht und bei offenen Fenstern weitergefahren. Zum Glück wird es Abend und mit zunehmender Höhe auch spürbar kühler.

CA NP-Road: Emigrant Pass , Wildrose 
CA Unpaved Road: Mahogany Flat

Mahogany Flat

Wir verlassen den Highway und es geht auf einer Seitenstraße zum Emigrant Pass, wo wir bereits die gewaltige Höhe von 1620m erreichen. Die Straße wird immer einsamer und fast alpin, der Asphaltstreifen immer schmäler und dürftiger. Die Luft hingegen wird deutlich besser. Wir schauen einfach, dass wir so weit wie möglich hinaufkommen. Ab Wildrose, das nicht mehr ist als eine Kreuzung ist, beginnt die Schotterstraße, die in der Tat sehr rasch immer schlechter und steiler wird.

Nach einiger Zeit schwieriger Fahrt sind am Straßenrand plötzlich etwa 10 große kuppelartige Ziegelgebäude mit je einem Eingang aufgereiht. Sie sehen aus wie riesige Bienenhäuser. Erst das Lesen von dabeistehenden Tafeln klärt uns auf, dass es sich nicht um irgendwelche uralten Behausungen handelt, sondern um Holzkohleöfen aus Beginn des 20. Jahrhunderts. Hier dürften sie wieder einmal irgend ein Edelmetall geschmolzen haben. Leider ist das Gelände zu steil und steinig, um das Zelt hier aufzubauen, also schauen wir weiter.

Wildrose Charcoal Kilns: In diesen 10 Holzkohle-Brennöfen wurden 1876 gebaut und noch heute riecht es darin nach Rauch (also keine optimale Schlechtwetterunterkunft). Man stellte hier Gas her, um Silber- und Bleierze zu schmelzen.

Das letzte Stück ist die Straße wirklich nicht gut. Der befahrbare Schuttstreifen ist sehr lose, einige größere Steine müssen wir aus dem Weg schaffen. Daher freuen wir uns sehr, als ein Campground auftaucht. Und, wir bauen das Zelt zwar auf steinigem Boden, aber immerhin wieder unter großen Bäumen auf.

Als das Zelt steht, hat uns die angenehme Luft derart aktiviert, dass wir beschließen, zum Sonnenuntergang noch eine Wanderung zu unternehmen. Nach einem relativ kurzen Stück erreichen wir schon den Mahogany Flat (2590 m). Dort gäbe es einen noch netteren Campground mit Aussicht ins Death Valley, aber die Straße wäre echt zu viel für das Auto gewesen. Dafür wandern wir noch ein Stück in Richtung Telescope Peak, der immerhin 3369 Meter hoch ist. Hier wird auf Tafeln doch ernsthaft vor steilen Schneefeldern gewarnt. Angeblich gibt es hier wirklich auch im Sommer manchmal Schnee.

An einem Aussichtspunkt, wo man zwischen den Bäumen durchsieht, rasten wir und genießen den Blick hinunter in das tiefe breite Tal, das zwar schon völlig im Schatten liegt, wo aber wahrscheinlich immer noch ordentlich die Hitze brütet. Die Salzseen sehen von hier eher wie riesige flache Schneefelder aus. Die Berge gegenüber erstrahlen im Abendrot, das langsam zu den Gipfeln wandert. Im letzten Licht der einer unglaublich roten Dämmerung kehren wir erschöpft zum Zelt zurück. Es ist zwar nicht viel los, aber wir sind hier auch nicht alleine, das mit der kühlen Luft in der Höhe haben auch andere überrissen!

Sonntag, 21. Juni 1993

Die Sonne kommt erst recht spät über den Berg und durch die Bäume, daher ist es in der Früh recht kühl. Wir wissen aber, dass wir nochmals hinunter in die trockenen und heißen Täler und Ebenen müssen um aus dieser wüsten Gegend herauszukommen. Das Frühstück genießen wir daher umso mehr. In der Ferne des Westens lachen aber schon die schneebedeckten Gipfel der Sierra Nevada herüber.

CA NP-Road: Panamint Valley, Panamint Springs 

Panamint Valley

Ein Stück müssen wir die nicht-asphaltierte Straße zurück und üben uns auch weiterhin auf abwegigen Routen. Ab der Kreuzung Wildrose geht’s nach Südwesten und steil abwärts ins Panamint Valley. Die Straße ist so breit wie ein Auto und ein paar Zerquetschte, mit dem pikanten Detail, dass das Asphaltband in eine tief eingeschnittene trockene Schlucht gelegt ist, und allen Kurven dieses Tals folgt. Die Sicht ist also gleich null, aber hier ist ohnehin niemand unterwegs.

Dass auch dieses Tal ab und zu Wasser abwärts leitet, wird klar als wir über herausgerissene Asphaltstücke hoppeln. Weiter unten öffnet sich das Tal auf einen weiten Schwemmkegel, an dem man auch die Folgen starker Regengüsse erkennen kann. Unten (auf ca. 90 Meter Seehöhe) angekommen, sind wir wieder in der völlig trockenen Umgebung der Mojave Wüste angekommen. Die Luft steht. Das Panamint Valley ist nun tatsächlich nach allen Seiten abgeschlossen. Es gibt ein paar Salzflächen und eine pfeilgerade Straße, auf der man wegen der Luftspiegelungen am Besten mit Licht fahren sollte.

Bei Pinamint Springs erreichen wir wieder den Highway, der vom Death Valley kommt. Pinamint Springs selbst ist bloß ein Lokal, ein Telefon und die obligatorische Zapfsäule. Obwohl die Tankuhr schon recht traurig ausschaut, lassen wir den Spaß aufgrund der angeschriebenen Preise.

Panamint Valley. Hier werden oft Tieffliegetest der Amerikanischen Luftwaffe durchgeführt. Teile des Tals sind deswegen gesperrt.

Blick aus dem Panamint Valley. Salzsee und unsere Passstrasse, die CA 190 Nadeau Trail.

CA 190 W: Darwin Plateau, Olancha 
CA 395 N: Bishop, Lee Viking

Darwin Plateau

Der Highway führt nun wieder hinaus aus dem Tal, also wieder steil hinauf von etwas über Meeresniveau auf das Darwin Plateau (ca. 1500 m). Mit der Erfahrung vom Vortag schalten wir diesmal von vornherein die Klimaanlage aus. Wir schwitzen und das Auto stottert trotzdem ein wenig. Auf dem Plateau herrscht wieder eine eindrucksvolle Wüstenstimmung, vor allem führt die Straße entlang von dem Abbruch mit wilden Tiefblicken ins zerfurchte Tal. Irgendwie reicht uns allerdings langsam das Wüstendasein und wir haben nur mehr noch das Ziel wieder saftige Wiesen unter die Füße zu bekommen.

Es gäbe zwar wieder eine verlockende Variante über einen noch höheren Pass zu dem riesigen Owens Lake (natürlich nur ein trockener Salzsee), doch wir peilen Olancha an, der Tank ist einfach leer. Vorbei am weitläufigen China Lake Naval Weapons Center fahren wir dann hinunter ins Owens Valley, das letzte große Tal vor der Sierra Nevada. Am Owens Lake, wo fleißig Salz abgebaut wird, sammelt Christian noch schnell eine Sandprobe, bevor wir wieder in die Steppe kommen. Durch das Owens Valley führt übrigens der Los Angeles Aqueduct, der diese Großstadt mit Wasser aus der Sierra Nevada versorgt, und der Interstate 395, wo wir uns einreihen und gleich nach Olancha kommen. Dort werden neben dem Tank auch wieder einmal die Essensreserven ordentlich aufgestockt

Auf dem Interstate 395 befinden wir uns anscheinend auf einem wichtigen Touristenpfad. Es sind Horden von Mietautos aller Herren US-Bundesstaaten und RV’s (Recreational Vehicles = alle Campingbusverwandte) unterwegs. Zu unserem Glück aber nur in der Gegenrichtung. Hier wird uns klar, dass wir unsere Rundreise mit dem Uhrzeigersinn anscheinend (günstigerweise) gegen den allgemeinen Strom angelegt haben.

Weiter geht es eher nur Meilenfressend dem Gebirge entlang. Immerhin liegen etwa 250km ohne jede Sehenswürdigkeit oder Möglichkeiten einer alternativen Routenlegung vor uns. Mit der Zeit (schon wieder länger nach Mittag) befällt uns wieder der Hunger. Wir kommen gerade nach Bishop, dem größeren Ort in der Region und es wieder extrem heiß. Unser Ideal von einem Rastplatz sieht anders aus, also machen wir einen Abstecher in die Berge.

Wir fahren lächerliche 30km steil bergauf zum Sabrina Lake (ca. 2900 m). Der See liegt inmitten einer atemberaubenden Landschaft aus gletschergeschürften Granitfelsen, vielen Bäumen und saftigen Wiesen. Er ist umgeben von lauter 4000 Meter hohen spitzigen Bergen, auf denen noch jede Menge Schnee liegt. Der See sieht zwar aus wie ein ruhiger Alpensee, aber auf ihm herrscht reger Bootsverkehr. Wir setzen uns in der Nähe auf einen schattigen Felsen neben einem herrlichen Gebirgsbach und essen dort unsere Fischaufstrichbrote. Nach dieser kurzen Verschnaufpause müssen wir aber wieder einmal hinunter. Dabei endet kurz nach dem Ort Aspendell (2590 m) auch schon der schöne Gebirgsbach, wie auch der Wald und die Steppe hat uns wieder.

Nach Bishop ist der Interstate Hwy 395 dann durchwegs vierspurig und führt selbst mehr und mehr hinauf in die Berge. Dabei fahren wir phasenweise durch den Inyo National Forest. Über den Deadmans Pass (2448 m) kommen wir zum Mono Lake. Die skurrilen weißen Tuffgebilde, die aus dem tiefblauen Salzwasser ragen, schauen wir uns nur von der Weite an. Der See ist riesig und doch nur der Rest eines wahrlich gigantischen Sees, dessen speisende Flüsse aber heute eben von Los Angeles abgezapft werden. Wir sind aber echt zu müde, um uns hier aufzuhalten, außerdem wollen wir heute noch den Yosemite Park erreichen.

CA 120 W: Yosemite East Entrance, Tioga Pass

Wir verlassen Highway gen Westen und fahren auf einer Straße, die mit ihren Serpentinen schon sehr an Südtirol erinnert, zum Nationalparkeingang des Yosemite Parks, der bereits in einer Höhe von 3031m liegt. Die etwa 480km lange Fahrt durch die Hitze hat uns beide sehr geschafft. Noch mehr verdattert sind wir als sich herausstellt, dass die heute noch erreichbaren Campgrounds schon wieder alle voll sind. Also düsen wir sofort wieder zurück in den Inyo National Forest zum erstbesten Zeltplatz am Tioga Lake (2969 m).

Der freundliche Typ im Wohnwagen ist der Verantwortliche für den Campground. Wir können uns sogar noch ein Platzerl in der saftigen Wiese in der Nähe des Sees aussuchen. Als das Zelt steht, verschwindet langsam die Sonne hinter dem Pass. Es tut gut die kühle Luft einzuatmen, diverse Pullover auszupacken, abzustauben und anzuziehen sowie eine warme Suppe anzurühren. Eine schon beinahe in Vergessenheit geratene unangenehme Begleiterscheinung sind die Gelsen, die hier wieder in größeren Mengen ausschwärmen. Herrlich ist der Blick über den See auf die noch sonnenbeschienenen nahen Schneeflecken des Mount Dana (3978 m).

Tioga Lake Campground. Hier gibt es Platz wenn die Zeltplätze im Nationalpark überfüllt sind. Der Tioga Lake ist ein Gletschersee.

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