Aktivtonboxen Numark N-Wave 580 zu Passivlautsprechern umbauen

Saturn und Mediamarkt sind nicht für ihr Beratungsservice bekannt. Bei der Anschaffung einer Stereoanlage samt Lautsprecher für unseren Sohn haben sie sich wieder einmal dramatisch unterboten. Zum Radio-Verstärker Yamaha R-N 301 (den wir zuvor selber ausgewählt hatten), liessen wir uns im Geschäft in Innsbruck bezüglich Lautsprecher beraten. Einzige Voraussetzung war, dass die Boxen nicht zu gross sein sollten, das wurde auch erfüllt. Bei einfachen Lautsprechern habe ich nicht weiter nachgedacht. Wir haben den Verstärker und die Boxen direkt im Geschäft gekauft, sie wurden uns aber nach Hause geliefert weil nicht alles lagernd war. Vielleicht war das der Fehler?

Das Paar Numark-Lautsprecher schaut gut aus, stutzig wurde ich als ich einen Stromanschluss hinten sah. Schnell war klar, dass es sich im Aktivlautsprecher handelt, samt kleinen Verstärker um direkt Handys und dergleichen anschliessen zu können. Soweit so sinnlos in Verbindung mit einem guten und starken Verstärker, aber auch keine Katastrophe, vielleicht braucht man das ja einmal. Allerdings stellte sich schnell heraus, dass diese Lautsprecher nur mit Stromanschluss zu betreiben sind, es gibt keine Umschaltmöglichkeit zum Passiv-Betrieb. In Kombination mit dem Verstärker führte das zu untragbaren Säuseln, das nur mit Überbetonung des Bass zu unterdrücken war. Die aktiven Lautsprecher Numark N-Wave 580 sind nicht mit einer normalen Stereoanlge zu betreiben!

Natürlich hätte man alles zurückschicken können, aber der Sohn wollte endlich den Sound in seinem Zimmer. Auch dachte ich, dass man die Boxen einfach zu Passiv-Lautsprechern umbauen könnte. Doch auf die Schnelle ging das nicht.

Aufbau der beiden Lautsprecher Numark N-Wave 580

Der rechte Lautsprecher umfasst den Verstärkerteil. Hinten gibt es mehrere Anschlüsse und Schalter. Im Wesentlichen sind das:

  • 6,35 mm Klinkenbüchsen mono, weder Kabel noch Stecker mitgeliefert
    • Links und Rechts passif IN
    • Links aktiv OUT
  • 220V-Stromanschluss, Schalter, Kabel mitgeliefert
  • Proprietärer 3,5 mm Klinkenstecker für das Lichtsignal, viel zu kurzes Kabel mitgeliefert
  • Bass-Schalter

Der linkte Lautsprecher hat nur eine grosse Klinkenbüchse IN und eine kleine Klinkenbüchse für das Lichtsignal.

Detailansicht der Anschlüsse und Schalter. Es fehlt ein Umschalter für den Passivbetrieb.

Erkennen der Lautsprecher- und der Verstärkerelektronik

Ich habe versuchsweise den linken Lautsprecher direkt an die Stereoanlage angeschlossen und, Überraschung, er liefert gleich den richtigen Sound, ganz ohne den Verstärkerteil in der rechten Box. Der weitere Vorgang war klar: die Schaltung in der linken Box erfassen, in der rechten wiedererkennen und dort vom Rest isolieren.

Bei beiden Boxen können hinten geöffnet werden, die Platte am linken ist wesentlich kleiner, ebenso die Leiterplatte dort. Unten der Schaltplan, er befindet sich rund um die Leiterplatte, in der Mitte befindet sich unabhängig Elektronik und der Anschluss für die LED-Beleuchtung.

  • Links oben: die Verlötung der Mono-Klinkenbüchse
    • A: Aussenanschluss
    • I: Innenanschluss
  • Oben eine grosse schwarze Spule
  • R: ein grosser weisser kastenförmiger Widerstand
  • rot: zwei zylindrische Kondensatoren
  • unten die beiden Lautsprecher
elektronischer Schaltplan

Schaltplan der passiven Lautsprecherelektronik Numark N-Wave 580

Bei diesem Schaltplan an der linken Box muss man nicht eingreifen, genau diese Schaltung gibt es auch in der rechten Box, jedoch leider nicht so gut ersichtlich.

Überbücken der Verstärkerelektronik in der rechten Numark-Box

Die Abdeckplatte und die Leiterplatte in der rechten Box sind wesentlich grösser. Nur die äusseren acht Schauben lösen, die mittlere fixiert einen Thyristor. Der Block kommt unter Umständen schlecht aus dem Gehäuse, weil viele Kabel seitlich den Weg heraus blockieren. Der Wechselstromteil ist gut abgetrennt, aber der Verstärkerteil ist mit der passiven Lautsprecherelektronik eng auf der Leiterplatte vermengt.

Leiterplatte in der Tonbox Numark N-Wave 580 rechts

Wenn der Aufbau ähnlich wie im Bild unten ist, braucht man die Leiterplatte nicht abschrauben. Anderenfalls ist es zielführend die Bauteile und Leiterbahnen mit dem Schema oben zu vergleichen. Im Bild sind auch schon die aufgelöteten Kabel sichtbar, welche den Verstärker überbrücken. Es ist nicht nötig Leiterbahnen zu trennen, man setzt nur zwei Brücken direkt von der Klinkenbüchse rechts IN.

  • Orange ist das Kabel am äusseren Anschluss der Klinkenbüchse. Es führt mit dem oberen Ende an das Ende der Spule.
  • Blau das Kabel am inneren Anschluss der Klinkenbüchse. Es führt wie am Schaltschema zwischen die beiden Kondensatoren. Leider sind sie hier nicht schön nebeneinander wie beim linken Lautsprecher. Man erkennt allerdings Anschlusspaare des ersten Kondesators oben rechts neben dem blauen angelöteten Kabel und wenn man die Lötbahn dort weiter nach unten verfolgt, sieht man unter dem orangen Kabel zwei nahe stehende Anschlüsse des zweiten Kondensators.

Man kann alle Teile in der Box mittels Stecker abstecken. Am Ende sollte man auf jeden Fall wieder die dicken Kabel (schwarz-rot und schwarz-weiss) zu den Lautsprechern anschliessen. Die anderen entweder ebenso anschliessen oder so verstauen, dass sie nicht in der Kiste klappern.

Wir haben den Verstärkerbereich nicht elektrisch vom Rest getrennt. Deswegen ist es wichtig, die Stromzufuhr zu trennen! Das geht am einfachsten durch ziehen des weissen Steckers unten links. Am oberen Bild ist er bereits gezogen und ragt in die Luft.

Detailansicht der Überbrückungen auf der Leiterplatte

Nach den Änderungen sollte kein Strom mehr angeschlossen werden und nur mehr die rechte Klinkenbüchse einen Stecker direkt vom externen Verstärker aufnehmen! Das Tonsignal wird direkt an die Lautsprecher weitergeleitet und umgeht den Verstärkerteil.

Rückgängig macht man alles durch trennen der aufgelöteten Kabel.  Ich habe keinen Umschalter eingebaut weil:

  • auch der eingebaute Verstärker umgeschalten werden müsste,
  • man einen guten Audio-Schalter bräuchte um das Tonsignal gut zu leiten.

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