Auslandsjahr: Ankunft vor Ort und falsche Schulklasse

Thema: Auslandsjahr für Jugendliche.


Die Agenturen sehen vor, dass die Anreise mit dem Flugzeug erfolgt, unser Sohn kommt auch bei Sonnenschein in Westfrankreich an. Die französische Agentur hatte, warum auch immer, den Anreisetag auf Freitag fixiert, auf Bitte der Gastfamilie und in Absprache mit ihnen ist er am Samstag Nachmittag angereist. Die Gastmutter holt ihn am Flughafen wie geplant ab. Theoretisch könnte auch der Regionalbetreuer die Abholung durchführen und den Reisenden eine Nacht unterbringen, falls es Terminprobleme gibt. Theoretisch, denn bei der Rückreise erfahren wir, dass dies „leider doch nicht geht“.

Auch wenn es nur ein anderes europäisches Land ist, die Sitten und Gewohnheiten sind doch andere. Kennt man hier wohlige Fussbodenheizung, kann einen dort schon ein kalter Fliesenboden erwarten. Die möglichen Beispiele sind vielfältig und auch bei guter Landeskenntnis nicht vorhersehbar. Die allermeisten lassen sich aber durch Nachfragen oder Anpassen locker regeln. Ein triviales Beispiel: unser Sohn meinte die Regale für sein Gewand seien offen und zu klein. Bis er merkte, dass er zusätzlich einen Wandkasten für seine Klamotten am Gang vor dem Zimmer hat.

Die Gastfamilie und der Jugendliche müssen sich natürlich kennen lernen, das dauert die ersten Tage und Wochen. Andere Familien haben andere Tagesabläufe, Essgewohnheiten und manchmal auch anders gelagerte Esszeiten. Da wird ein Junger schon mal aus seinem Gewohnheitstrott gerissen, aber genau dafür geht er ja ins Ausland.

Systematische Fehler der Agentur CEI Séjours Linguistiques

Ich wollte so objektiv wie möglich über das Auslandsjahr unseres Sohnes berichten. Grundsätzlich bin ich dazu noch immer positiv eingestellt. Ich wollte auch nicht die Agenturen beim Namen nennen, weil dies nichts zur Sache tun sollte. Allerdings erfolgten in der Kommunikation zwischen der heimischen und der französischen Agentur zu Beginn schon extreme Missverständnisse, die zur Fehlern führten, die einer Nichterfüllung meines Vertrags meiner heimischen Agentur bedeuten.

Am Sonntag Abend vor dem ersten Schultag wird aber offensichtlich, dass die Agentur CEI Séjours Linguistiques konsequent die Kinder in falsche Klassen und Schulstufen steckt, Schulwünsche der Eltern ignoriert und somit den Schulerfolg eines Schülers aufs Spiel setzt.

Die Gasteltern hatten in der Woche vor Schulbeginn ein Email von CEI mit der Klassenzuweisung erhalten. Dies war nie Gesprächsthema, weil wir Schulstufe und Klasse ja mit den Agenturen ausgemacht hatten (Zeugnisse der letzten Klasse), die französische Agentur immer behauptete sich um den ganzen Schulbereich zu kümmern und die Gastfamilie sich ja auch schultechnisch weder auskennen kann oder muss. Die österreichische Agentur hatte mir bestätigt, dass sich die französische Partneragentur CEI um die Zweitsprache Italienisch kümmert. So steht es auch auf meinem österreichischen Vertag.

Seitens der Agentur CEI hatte ich nie eine Rückmeldung zu Schulstufe und Klasse vor Ort in Frankreich erhalten. Mir wurde nur vorab die Schule als solche mitgeteilt und dabei waren schon zwei Fehler passiert. Auch machte mich damals schon stutzig, dass behauptet wurde, das Schuljahr würde ende am 15. Juni. Nachfragen führte nur zu Beschwichtigungen.

Wissentlich falsche Schulstufe und falscher Klassentyp

Mein Sohn meldet sich am Sonntag Abend vor Schulbeginn, dass er erst am Dienstag in die Schule müsse, weil seine Schulstufe erst zeitversetzt beginnt. Das ist in Frankreich nicht unüblich. Man gönnt den „Erstklasslern“ einen Tag ohne den „Grossen“. Jedoch hatte ich auf der Webseite der Schule gelesen, dass die „2nde“ (in Österreich „6.“, entspricht 10. Schulstufe) am Montag beginnen, eben mit einem Einführungstag. es ist ja die erste Klasse im Lycée. Es wird dieses Email an die Gasteltern ausgegraben und darauf steht die Klasse „1èreL„.

1ère“ ist die in Österreich die „7.“ (11. Schulstufe) und entspricht da wie dort dem Jahr vor der Matura/Baccalauréat-Jahr. In beiden Ländern wird da schon für die Matura mit thematischen Schwerpunkten vorbereitet und genau deswegen macht man den Schüleraustausch nicht in diesem Schuljahr. Zudem wird in Frankreich das Französisch-Baccalauréat ein Schuljahr vorgezogen und findet im Juni in der „1ère“ statt. Das erklärt auch, warum schon seit Monaten (!) von der Rückreise am 15. Juni die Rede war, als Österreicher braucht er dieses Französisch-Baccalauréat nicht und könnte früher in die Ferien gehen. Das heisst aber auch, dass die Agentur CEI Séjours Linguistiques von Anfang an diese Falschplatzierung geplant hatte und sämtliche meiner Fragen bewusst ignoriert hat. Dies, obwohl der heimischen und der französischen Agentur Zeugnisse der „5.“ vorlagen, die klar belegen, dass er in eine „6.“ kommen muss und dies in einer Schule vom Typ Realgymnasium mit den Schwerpunkten Natur, Umwelt, Technik, etc.

Das „L“ bei „1èreL“ ist das Tüpfchen am „i“. Es steht für „littéraire“, also den Schwerpunkt Französisch, Theater, Sprache, Medien. Meilenweit entfernt von einem Realgymnasium. In der zu hohen Schulstufe geht es auch wesentlich strenger zu. Klar ist ein Austauschschüler für die Sprache im Land, aber mit den mageren Vorkenntnissen kann ein „Ausländer“ so ein Jahr nie positiv abschliessen. Er ist zum Scheitern verurteilt und das ist auch psychologisch fatal. Sollen daraus gute Erinnerungen und Erfahrungen entstehen?

Verständigung und sinnlose Kommunikation mit dem CEI

In Absprache mit der Gastfamilie versuche ich Sonntag Abend das CEI zu erreichen. Ich habe eine „Notnummer“ von der Regionalbetreuerin des Départements. Es handelt sich um eine Lehrerin, die nebenbei seit Jahren für das CEI vor allem die Familien betreut und überprüft. Dieser Frau erzähle ich die Umstände nicht ohne meinen Unmut kund zu tun, denn zu diesem Zeitpunkt war die Fehlentscheidung des CEI offensichtlich. Sie erkennt keinen Fehler, vertröstet mich damit, dass „sie meine Wünsche natürlich sofort morgen früh an die CEI-Zentrale weiterleiten wird. Ich möge mich beruhigen, spätestens nach ein- bis zwei Wochen ist das geregelt, mein Sohn solle einstweilen wie geplant in die „1èreL“ gehen“. Sie fügt an, dass „sie sich nicht direkt bei mir melden dürfe“. Das verbessert in keiner Weise die Kommunikation.

Auf mein Nachfragen wie das CEI überhaupt auf die Idee kommt, die Kinder in diese falsche Klasse zu stecken, wird das System offenbart: die Regionalbetreuerin behauptet, dass „95% der Kinder gar kein Zeugnis brauchen“, sie erinnere sich nur an den Fall eines Südamerikaners der unbedingt eines wollte. Das heisst, beim CEI geht man davon aus, dass die Kinder ein Jahr sinnlos in einer zu schwierigen Klasse abhocken und danach zu Hause wieder dort anfangen wo sie gingen. Also ein ganzes Schuljahr verlieren. Es stimmt schon, dass ein österreichisches Kind nach einem Auslandsjahr nur eine Schulbesuchsbestätigung mitbringen muss, um aufzusteigen, aber wie schaut es aus, wenn er dort in der Klassengemeinschaft als einziger kein Zeugnis bekommt. Wo bleibt das Erfolgserlebnis zu den Kassenbesten zu gehören (was tatsächlich der Fall war)?

All das beruhigt mich natürlich überhaupt nicht. Der erste Schultag ist für einen ausländischen Quereinsteiger extrem wichtig, jeder der später kommt, tut sich auch als Inländer schwer einen Anschluss zu finden. Zudem befürchte ich, dass mit dieser angekündigten Verzögerung Tatsachen geschaffen werden sollen.

Ich telefoniere mit den Gasteltern und auch diese sind sehr verwundert. Sie finden auch, dass das Zuwarten völlig verkehrt ist. Die Mutter bietet also an, am Montag Vormittag mit unserem Sohn zur Schule zu fahren und den Fall zu klären. Dort ist leider die Gruppe zum Einführungstag schon in der Natur unterwegs und somit auch der letzt-entscheidende Klassenlehrer. Aber es wird versichert, dass man sich darum kümmert, unser Sohn kann am Dienstag normal in die richtige Klasse („2nde“) gehen und hat dort durchwegs nette Klassenkameraden. Es sind über 30, zu 2/3 Mädchen.

Im Schulsekretariat wird auch erwähnt, dass „das CEI immer die Kinder in die 1èreL gibt“. Es ist somit auch kein Zufall, dass das CEI gezielt eine Privatschule wählt und bezahlt obwohl ich vertraglich eine öffentliche Schule vereinbart hatte. Durch die Rückfrage bei einem Bekannten, der in der Verwaltung einer Schule arbeitet, konnte ich in Erfahrung bringen, dass so eine Falschplatzierung in einer öffentlichen Schule unter Vorlage der Zeugnisse des Vorjahres gar nicht möglich wäre. Zusammenfassend kann also behauptet werden, dass das CEI wissentlich und systematisch grundsätzlich falsch entscheidet und zuvor zugesagte Wünschen ignoriert. Dies ist letztendlich aufwändiger als der legale und normale Weg, mir ist bis jetzt nicht klar, warum das so praktiziert wird.

Viel ist hier auch den wirren Kommunikationswegen geschuldet. Diese laufen nämlich so: das CEI (eine französische Organisation) wendet sich auf englisch an die heimische Agentur, die mir das alles wieder auf deutsch übersetzt. Das Ganze natürlich auch in die umgekehrte Richtung. Ich, als fliessend französisch Sprechender, habe natürlich in den Übersetzungen die potentiellen Interpretationsfehler gesehen, eine direkte Kommunikation mit dem CEI wurde aber konsequent von der heimischen Agentur unterbunden.

Die von der Regionalbetreurin versprochene Rückmeldung des CEI kam nie. Sie scheinen die Klassenänderung zur richtigen „2nde“ zur Kenntnis genommen zu haben, denn Mitte September meldet sich eine mir bis dahin nicht bekannte Betreuerin der heimischen Agentur mit einer generellen und formell höflichen Anfrage „ob alles in Ordnung sei“. Darin ist der Satz wohl die Bestätigung: „Anscheinend hat es einige Missverständnisse in der letzten Woche gegeben, auf die wir aufmerksam gemacht wurden…“. Entschuldigung, Anerkennung des Fehlers, Angebot zur Wiedergutmachung? Totale Fehlanzeige sowohl bei CEI Séjours Linguistiques als auch unserer heimischen Agentur.

Eingehende Besprechung mit der heimischen Agentur

Die übliche Betreuerin der heimischen Agentur versucht mich mehrmals zu erreichen, ich bin allerdings verhindert und das Gespräch findet erst Mitte Oktober statt. Ich klage ihr mein Leid und weise sie klar auf die Vertragsverletzungen hin. Diese betreffen das fehlende Italienisch als zweite Fremdsprache und der nicht erfüllte Wunsch einer öffentlichen Schule. Natürlich bekundet die Betreuerin ihre Verwunderung, aber bei der falschen Klassenzuordnung wollte sie ihre Agentur nicht in der Schuld sehen, das sei „nicht Teil des Vertrags“ zwischen der Agentur und mir. Dafür sei die Agentur CEI in Frankreich zuständig. Das ist eine starke, aber rechtlich falsche Ansage: die heimische Agentur ist mein alleiniger Ansprechpartner. Ich habe keinerlei rechtliche Vereinbarung mit dem CEI.

Muss ich, wenn ich die Zeugnisse der Vorklasse mitliefere noch explizit die Klasse im Zielland festhalten und durchsetzen? Wozu gibt es diese auf Schulen spezialisierten Organisationen wenn nicht, um genau diese Schnittstellen sauber abzuwickeln? Ich habe an viel gedacht, aber doch erwartet, dass implizit vorausgesetzt werden kann, dass Kinder ins Auslandsjahr gehen, ohne ein ganzes Schuljahr zu verlieren.


Graue Wolken hinter dem Wald

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