Auslandsjahr: die Woche vor der Abreise

Thema: Auslandsjahr für Jugendliche.


Eine Woche vor der Abreise sollten alle administrativen Schritte geklärt sein. In der Woche finden neben dem Kofferpacken auch mehr subjektive Schritte statt, die sowohl das Kind als auch die Eltern betreffen. Diese sind bei einem Einzelkind besonders prägend. Der bevorstehende Schritt der Abreise ist ein effektiver Einschnitt.

Verhaltens- und Wahrnehmungsänderungen

Änderungen beim eigenen Kind

Neben periodisch auftretenden Aussagen wie „ich will nicht“ in den Monaten vor der Abreise scheint diese Gefühlslage in den Hintergrund zu treten. Dabei ist natürlich wichtig, dass die Eltern von Anfang an von dem Schritt überzeugt waren. Die Neugierde und eine Angst vor Neuem treten in den Vordergrund. Letztendlich stellt sich auch ein gewisser Stolz ein. Auch ein 16-jähriger bekommt mit, dass es nicht jedem gegönnt ist, ein Jahr im Ausland zu verbringen.

In der letzten Woche vor der Abreise hat unser Sohn, für ihn ganz unüblich, begonnen sein Zimmer auszumisten. Ganz konkret alte Poster von den Wänden genommen. Kinder scheinen den Schritt also vorwegzunehmen. Das mag intuitiv sinnvoll sein, erzeugt allerdings eine gewisse „Endzeitstimmung“.

Je nach Grad der sozialen Vernetzung werden auch noch Treffen mit Freunden organisiert, wobei dabei keine echten Abschiedsszenen enstehen müssen. Erstens ist man heute medial sowieso vernetzt und Junge leben das konkret, zweitens fehlt unter Umständen die Erfahrung eines derartigen Abschieds.

Auffällig war eine durchaus vermehrte Anhänglichkeit. Erschien unser Sohn in Normalzeiten mehr oder weniger nur zum Essen im gemeinsamen Wohnzimmer, so war er in der letzten Woche präsenter.

Wandel bei den Eltern

Als Eltern hat man sich mit dem Schritt schon eingehender und vor allem länger beschäftigt. Die erste Idee dazu kann Jahre zurückliegen, oder man war sowieso „immer“ davon überzeugt. Aber mindestens ein Jahr lang hatte man schon mit Agenturen zu tun. Die Gemütslage ist also eine Woche vor der Abreise nicht unbedingt viel anders als sechs Monate davor. Die Denkanstösse kamen bei uns vor allem von unserem Sohn mit Konkretem: zum Beispiel die Nutzung seines Zimmers während seiner Abwesenheit. Ich wollte ihn vor der Abreise nicht damit befassen, er hat das aber selber angeregt.

Wir haben in seiner letzten Woche mit uns (gleichzeitig seine letzte Ferienwoche) auch gemeinsame Aktivitäten unternommen. So haben wir uns auch freigenommen und machten wir einen lange geplanten London-Kurzurlaub.

Klamotten und der Reisekoffer

Dieses Thema braucht ein eigenes Kapitel, ist ist ein praktischer Bereich, der aber auch subjektive Verhaltensmuster offenbart.

In der Wahrnehmung unseres Sohnes betraf bis jetzt Packen nur das Antreten einer Urlaubsreise, da nimmt man halt mit was für die Dauer das Zielland notwendig ist und was das Reisemittel zulässt. Da waren auch schon Reisen dabei, wo zwischendurch Wäschewaschen nötig war. Verreist man für ein Jahr, wird der Begriff  „Dauer“ faktisch ins Endlose gezogen. Dieser Effekt ist gewollt (vergleiche Warum ein Auslandsjahr?), hat aber gerade beim Packen Nebenwirkungen denn unser Sohn will sprichwörtlich alles Gewand einpacken.

Dummerweise gibt ein grosser Koffer das auch her. Er hat zuerst einfach seinen ganzen Kasten leergeräumt und hat sich nicht überreden lassen, gewisse Sachen da zu lassen. Lediglich zu verschlissenes durfte in den Müll. Diese Vorgehensweise warf die Gedanken, die wir uns als Eltern machten, über den Haufen. Wir hatten an das Klima der Zielregion gedacht und dass man vor Ort ja auch Klamotten kaufen kann.

Glücklicherweise gibt es einschränkende äussere Faktoren. Erstens passt wirklich nicht alles in den Koffer. Zweitens legen die Fluglinien Grenzen fest. Es ist von den Agenturen so gewollt, dass die Kinder alleine anreisen (siehe Reglement für Kind und Eltern). Oft wird es per Flugzeug sein, das limitiert die mitzunehmende Menge drastisch auf den Standard-Koffer plus Handgepäck. Auch bei anderen Reisearten sollte man limitieren, das Kind muss alles ja alleine schleppen.

Die Fluglinien sind recht strikt: 1 Koffer mit 21 oder 23kg, Handgepäck mit 8kg. Bei grossen Koffern ist Vorsicht geboten: alleine mit Gewand schiesst man leicht über die Gewichtsgrenzen hinaus. Zu Hause haben wir versucht das Limit zu unterschreiten, das bietet eine lustige schweisstreibende Übung: Koffer zu, auf die Waage, Koffer wieder runter auf, umschichten und das alles wieder von Neuem, bis das Gewicht und die Auswahl im Koffer passt. Achtung, die Waage bei der Gepäckabgabe ist genauer als die Personenwaage zu Hause!

Neben Gewand kam nicht viel mit:

  • Laptop, Handy, Kamera und Kabelkram,
  • Sportausrüstung für Leichtathletik,
  • Schulrucksack und Federpenal.

Koffer mit Band zum Wiedererkennen am Fliessband

Koffer mit Band zum Wiedererkennen am Fliessband

Gepäckauslieferung am Flughafen CDG in Paris

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