Auslandsjahr: Formulare, Tests und Kuriositäten

Thema: Auslandsjahr für Jugendliche.


Die meisten Firmen und Organisationen sind schnell und gut per Email zu erreichen, die Unterlagen kommen so auch per PDF. Nach der Auswahl haben wir natürlich nur mit einem Anbieter weiter verhandelt, das dargestellte Prozedere ist wohl repräsentativ, wird aber nicht bei allen gleich ablaufen.

Viele Anbieter fordern Voranmeldungen, manche gar Bewerbungen. Ich fand das komisch und habe mich für einen entschieden, der schlichtweg meine Fragen klärt. Auch hier läuft es so, dass es ein mehrstufiges Anmeldeprozedere gibt, die österreichische Agentur übernimmt dabei grossteils die Vorgaben der Partnerorganisation im Zielland.

Obwohl nach einiger Zeit die Partnerorganisation bekannt ist, wird es nicht gerne gesehen, wenn man bei dieser direkt nachfragt. Anscheinend ist die Vermittlungsgebühr so ausverhandelt, dass auch der Heimische Anbieter seine Arbeit leisten muss, auch wenn es so oft über fünf Ecken und durch Übersetztungswirrwarr geht: ich spreche französisch, das Zielland ist Frankreich und die Partnerorganisation spricht ebenso französisch, die heimische Agentur ist aber mit deutsch und englisch dazwischen geschalten.

Vorabchecks

Auch bei den Vorabklärungen können schon Problemchen auftreten, welche die heimische Agentur idealerweise schnell abklärt. In unserem Fall war das erstens die zweite Fremdsprache Italienisch. Hier hat die heimische Agentur beim Partnerbetrieb in Frankreich direkt nachgefragt und nach ein paar Tagen informell bestätigt, dass es kein Problem sein wird. Italienisch ist in Frankreich eine gängige zweite Fremdsprache. Schriftlich bestätigt bekamen wir im Rahmen der Anmeldung dies aber nur auf der Rechnung am Ende.

Eine weitere Spezialität war, dass unser Sohn zwar französisch spricht, aber nur rudimentär schreibt. Das liegt daran, dass wir zu Hause oft französisch sprechen, er aber in der Schule keine Französischunterricht besucht. Wobei das einerlei ist, denn eine zweite Fremdsprache beginnt hier in der 5. Klasse Gymnasium, also just in jenem Jahr, in dem die Anmeldung erfolgt. Viel könnte er davon zu diesem Zeitpunkt sonst auch nicht. Er hat allerdings einige Französischkurse besucht und ein Sprachzeugnis DELF Niveau A2 mündlich und schriftlich positiv abgelegt.

Das war der Partnerorganisation etwas zu undurchschaubar, von ihr kam ein zweiseitiger formloser Sprachtest (“Test de placement”) um unseren Sohn einstufen zu können. Es geht schlicht darum, dass er dem Unterricht folgen kann, die Partnerorganisation geht (richtigerweise) davon aus, dass die Schriftsprache vor Ort sowieso schnell lernt. Gerade Franzosen haben mit ihrer eigenen Sprache am meisten zu kämpfen. Wie  der Test bewertet wurde haben wir nie erfahren, es wurde nur bestätigt, dass “alles passt” und dies letztendlich mit der Rechnung besiegelt.

Parallel zu diesen Extraprüfungen erfolgte die Anmeldung bei der heimischen Agentur per unterschriebenen PDF. Zuerst mit einer Art Voranmeldung, am Ende mit dem Unterfertigen und bezahlen der Rechnung.

Mit dem Abschluss der mit der heimischen Agentur zu erledigen Fragen werden EUR500,- Anzahlung schlagend. Mit dieser Rechnung wird der Dossier im wesentlichen an die Agentur im Zielland weitergereicht.

Allerdings bleibt das Büro in Wien immer erster Ansprechpartner bei allen möglichen Fragen, auch unter dem laufenden Schuljahr im Ausland.

Telefon-Interview

Man wird vom heimischen Anbieter gebeten, für ein Gespräch nach Wien zu kommen. Andere laden gleich zu einen “Kennenlernen-Camp” ein, so gesehen haben wir mit dem gewählten Anbieter noch Glück. Aber es zieht auch das das Argument, dass man nicht so einfach 2x 500km spazieren fährt, zudem der Sohn ja zu normalen Arbeitszeiten auch die Schulbank drücken sollte. Also geht auch ein Telefonat. Die Praxis ist dann doch einfacher handhabbar als der theoretisch alles absichernde Anmeldeablauf.

Man plaudert zuerst zu dritt (Ansprechpartner des Anbieters, das Kind und ein Elternteil) über offene Fragen. Anschliessend wird der Elternteil hinauskomplementiert denn das Interview soll zwischen vier Augen, bzw. zwischen maximal vier Ohren stattfinden.

Die Fragen des Interviews sind kein echtes Geheimnis. In dem Umfangreichen PDF-Fragebogen mit Teilen für Teilnehmer, Eltern, Arzt und Schule sind auch zwei Seiten “Gesprächsbericht” dabei. Das sind letztendlich jene Fragen, die dem Kind auch gestellt werden. Persönlichkeit, Motivation, Anpassungsfähigkeit, etc. Das Formular umfasst auch eine mehrstufige Bewertung des Teilnehmers, aber dieser Teil ist sehr subjektiv. Mir scheint als gehe es hierbei wirklich nur darum grundsätzlich zu unreife oder der Sprache des Ziellandes überhaupt nicht mächtige auszuscheiden. Mehr als zehn Minuten hat es nicht gedauert.

Trotzdem macht es Sinn, dass das Kind schon auch selber an dem wesentlich umfangreicheren Hauptanmeldeformular gearbeitet hat.

Stilblüten der Vorgaben der Agentur im Zielland

Es gibt einerseits das zu unterzeichnende Reglement (“Règles du Séjour”), anderseits Fragen die einfach im Verlauf der Anmeldung auftreten. Einige doch gravierende daraus, weil sie schriftlich im Vertrag stehen, den man mit der vermittelnden heimischen Agentur unterzeichnet:

  • “Die Progammdauer ist vom 01. September 2017 bis 15. Juni 2018”. Dem Programm entspricht aber ein Schuljahr, das dauert unterschiedlich lang. Der Beginn deckt sich gut mit dem Schulbeginn in Frankreich am Mo.04.09.2017. Das Ende ist aber mehr als komisch, denn das Schulende ist mit Sa.07.07.2018 bereits bekannt. Es steht in den Unterlagen auch nicht nur Progammende 15. Juni 2018, sondern auch Heimreise an diesem Tag. Der so nebenbei ein Dienstag ist. Es ist jedenfalls absurd, das Kind im Letzten Schulmonat mitten drin herauszureissen. Auch nach Nachfrage bekräftigt die Partnerorganisation im Ausland das Enddatum “weil sich danach nichts mehr in der Schule tut” und eine “Verlängerung ist dezitiert ausgeschlossen”. Wir werden schauen, wie das dann zum betreffenden Zeitpunkt wirklich abläuft.
  • “Besuch einer (meist) öffentlichen Schule”. Klingt okay, zumal die Kosten für eine ggf. private Schule inkludiert wären. Bloss: private Schulen sind in Frankreich meist streng konfessionell. Und ich finde es leidet dann auch der gewünschte Effekt der Immersion in die Gesellschaft. Bei einer Nachfrage bestätigt letztendlich die Partnerorganisation im Ausland, dass eine  öffentlichen Schule als “Sonderwunsch” berücksichtigt werden kann.
  • In den inkludierten Leistungen wird auch gross der “Transfer Flughafen/Gastfamilie/Flughafen bei Rücksicht auf den von der Agentur empfohlenen Flughafen (+Zeiten)” angepriesen. Klingt nach Luxus-Taxi-Dienst. Auf Nachfrage ist das nichts anderes als eine Begleitung vom Flughafen Paris Charles De Gaulle zum Anschlussflughafen oder Anschlussbahnhof. Wohl gemerkt: nur dieser Pariser Flughafen und nur für Flüge. Weiter reist das Kind wieder alleine und wird am Zielort von der Gastfamile abgeholt. Kommt man irgendwie anders als am Flughafen CDG an oder macht Paris gar keinen Sinn, gibt es gar kein Service. Man bekommt immerhin den Hinweis, dass man nicht vorzeitig einen Flug buchen soll. Man kann das durchaus “sich keinen Haxn ausreissen nennen”.
  • Grundsätzlich wird kolportiert, dass die Mitteilung des Zielorts vier Wochen vor Abreise erfolgt. Das ist dann mitten im Sommer. Im Rahmen der Rechnung steht auch kryptisch “Restbetrag frühestens zahlbar am 01.08”. Diese Zeitpunkte fallen etwa zusammen.

Später kommt das 34-seitiges Haupt-Formular dran.


Déclaration des Droits de l'Homme à  Barjols, plaque gauche

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