Gazanien überwintern

Die Ausführungen hier gelten für normalen Wohnraum mit Terrasse oder Garten (weil die Pflanzen im Sommer unbedingt draussen stehen müssen), ohne spezieller Einrichtung wie Wintergarten und mit handelsüblicher Erde, Dünger und Pflanzenschutzmitteln.

Gazanien werden auch  Sonnentaler oder Mittagsgold ganannt, das geht darauf zurück, dass sie die Blüten täglich bei (idealerweise) direkter Sonneneinstrahlung öffnen und abends wieder schliessen.

Wärmeliebende Gazanien nördlich der Alpen

Gazanien stammen ursprünglich aus Südafrika. Die Blüte kann man grob mit jenen der Margerite vergleichen, sie sind jedoch viel voller, existieren in vielen Farben (von blassgelb bis satt goldrot über lila) und es handelt sich im krautige Gewächse. Sie führen klebrigen Milchsaft.

Sie werden in Tirol und in anderen kontinentalen und eher kalten Regionen ab Mai in Gärtnereien und Blumenläden als fast ausgewachsene Pflanze im Topf angeboten. Meist tragen sie schon Blütenknospen. Man kann sie direkt in die Erde oder in Blumentrögen pflanzen.

Selbst in Gartenbauzeitungen und in Fachbetrieben werden Gazanien als einjährig bezeichnet. Jeder, der im Mittelmeerraum oder eben in Südafrika war, wird erkannt haben, dass diese Pflanzen dort sehr gross werden und offensichtlich mehrjährig sind.

Es ist kein Problem sie nördlich der Alpen über den Sommer und in den Herbst zu bringen, es kann bloss sein, dass die Blüte erst spät oder sehr spät einsetzt. Die Pflanzen vertagen ganz leichten Frost und auch erste Schneeflocken, ab -5°C ist jedoch  schluss für Gazanien im Aussenbereich.

Natürlicher Lebensraum von Gazanien

Überwintern von Gazanien verkompliziert sich, weil sie ursprünglich in Gegenden wachsen, die:

  • unter tags sehr warm sind und starkter direkter Sonneneinstrahlung unterliegen, deswegen sind die Blätter behaart;
  • nachts kühlt es dort vergleichsweise stark ab und es bildet such Tau, der eine der wichtigsten Feuchtigkeitsquellen der Pflanzen ist.

Dieser Tag-/Nacht-Zyklus ist im Sommer auch nördlich der Alpen einigermassen gewährt, fehlende Sonnenstunden verzögern die Blüte oder verlängern sie gar in den späten Herbst. Im Winter jedoch muss man sie in die Häuser holen und hier gibt es keinen idealen Ort:

  1. Ein dunkler Keller geht nicht, es braucht Sonnenlicht. Im Keller fehlt der Temperaturwechsel und in Summe ist die Durchschnittstemperatur zu gering.
  2. Ein heller Waschraum oder ein helles Stiegenhaus gehen nicht, weil es keinen Temperaturwechsel gibt, besonders bleibt so auch die Durchschnittstemperatur zu gering.
  3. In einem Wintergarten klappt es nur wenn die Nachtabkühlung gewährt wird, untertags keine Luftüberhitzung erfolgt und die Luftfeuchtigkeit untertags gering ist. Besonders die letzten zwei Punkte sind schwer zu bewerkstelligen.
  4. Ein beheizter Wohnraum bietet auch keinen Temperaturwechsel, die fehlende Abkühlung fördert Schädlinge und der Wasserhaushalt muss von Tau auf Giessen umgestellt werden.

Um alles zu verkomplizieren brauchen Gazanien einen sauren Boden, aber idealerweise nicht jenen der bei uns erhältlichen Torferden. Richtig wohl fühlen sie sich auf schwach sauren und silikathaltigen Böden, das ist jener, der sich auf Gimmerschiefer bildet (das ist ein blättriges Urgestein). Auch Kaktuserde erfüllt nicht ganz die Anforderungen, am besten mischt man also verschiedene Quellen. Ich mische rund 30% natürliche Urgesteinserde unter.

Zum Blühen braucht die Pflanze Phosphor, das Element ist in klassischen Blühdünger enthalten, aber meist nicht im richtigen Verhältnis. Durch Tausch der Erde im Herbst kann man oft auf Düngen verzichten. Nie die ganze Erde von den Wurzeln abklopfen, die Pflanzen harren in der Natur jahrelang in mageren Erdstreifen aus. Die Erde muss zwar regelmässig austrocknen, aber mehr als ein paar Tage darf dies nicht andauern. Man sollte daher die Blumentöpfe leicht überdimensionieren.

Bei zu viel Feuchtigkeit und zu viel Nährstoffen wird nur Blattmasse produziert, die Gazanie braucht ein mageres aber stetiges Nährstoffangebot zum Blühen.

Überwintern von Gazanien in Wohnräumen

Ich habe mich nach mehreren Versuchen für die Option 4 (im Wohnraum), trotz ihrer gravierenden Nachteile entschieden. In den ersten Jahren schaffte ich von fünf Pflanzen in höchstens eine über den Winter. Nun sind es mehr als die Hälfte. Der grosse Vorteil vom Überwintern im Wohnraum ist, dass man die Pflanzen immer unter den Augen hat.

Wichtig ist vor allem das Giessen, die Pflanzen brauchen mindestens doppelt so viel Wasser wie andere Zimmerpflanzen. Das birgt die Gefahr, dass der Erballen zu feucht ist und sich Schädlinge einnisten oder sich sogar Schimmel bildet. Das Problem ist, das die Pflanzen es nicht gewöhnt sind, so viel Wasser über die Wurzeln zu beziehen. Eine Abhilfe hier: wenig Wasser direkt bei der Pflanze, quasi zum Befeuchten des oberen Erdballens im Topf, und 90% des Wassers in den Untersetzer. Diesen nach 24 Stunden ausleeren wenn die Pflanze dieses Wasser nicht aufgesaugt hat. Idealerweise trocknet der Erballen nach drei Tagen aus und am vierten wird wieder gegossen. Also grob zwei mal pro Woche viel giessen. Ideal wäre auch mit Wasser besprühen, aber das klappt am Fensterbrett selten.

Ich habe die Pflanzen über den Sommer in klassischen runden Tontöpfen. So trocknet die Erde zwischendurch besser aus. Im Herbst hole ich sie in den gleichen Blumentöpfen herein. Die Erfahrung zeigt aber, dass man rund 50% der Erde tauschen muss, weil den Pflanzen sonst in der zweiten Winterhälfte die Energie ausgeht. Ein Problem dabei: wenn man Erde aus gekauften Säcken nimmt, so lagern sie im Geschäft oder im eigenen Garten meist den ganzen Sommer im Freien. Hier nisten sich pflanzliche Schädlinge (kleine Fliegen) ein, die man sich so in die Wohnung holt. Diese Schädlinge kann man mit (chemischen) Giessmitteln zwar bekämpfen, das ist aber gerade für Pflanzen, die sich ohnehin schwer tun, schlecht.

Es kommt trotzdem zu Schäden und Schwächungen im beheizten Wohnraum. Es setzt sehr schnell die Blüte aus, vorhandene Knospen strecken sich in die Höhe und verkümmern. Es werden zwar noch neue Blätter ausgebildet, aber fast ausschliesslich schmale geradelinige Streifen (wie Gras) obwohl die gesunde Pflanze normalerweise breitere Blätter mit einigen Seitenlappen hat. Diese schmalen Blätter sind oft sehr schlaff und liegen mit der behaarten Unterseite nach oben, was der Pflanze mehr schadet als nützt. Viele Blätter sterben auch schnell ab und stehen als trockene dünne Stängel weg. Ich entferne tote oder zu schwache Blätter weniger aus optischen Gründen, sondern weil ich so einen besseren Überblick über den Gesamtzustand der Pflanze habe.

Es kann auch unter dem Winter zu tierischen Schädlingsbefall kommen, besonders wenn die Raumfeuchtigkeit hoch ist. Da helfen nur chemische Mittelchen, weniger wegen den Gazanien, sondern wegen den weiteren Pflanzen im Wohnraum.

Man kann durchaus sagen, dass Gazanien im Winter in beheizten Räumen stark verkümmern. Hier ein paar Beispiele im März 2017, diese Pflanzen stehen also bereits fünf Monate im beheizten Wohnraum und müssen in Tirol noch fast zwei weitere Monate drinnen bleiben.

2-jährige Gazanie Anfang März nach fünf Monaten im beheizten Wohnraum. Diese Pflanze, nun mitten in ihrem zweiten Winter, steckt die Überwinterung besser weg.2-jährige Gazanie. Diese Pflanze, nun mitten in ihrem zweiten Winter, steckt die Überwinterung besser weg.

1-jährige Gazanie in ihrem ersten Winter. Starker Blattverlust und kaum neue schmale und sinnlose Blätter. Die vorhandenen Blätter sind vital, allerdings grosses Missverhälnis zwischen ursprünglicher Pflanzengrösse und aktueller Blattmasse.1-jährige Gazanie in ihrem ersten Winter. Starker Blattverlust und kaum neue schmale und sinnlose Blätter. Die vorhandenen Blätter sind vital, allerdings grosses Missverhälnis zwischen ursprünglicher Pflanzengrösse und aktueller Blattmasse.

1-jährige Gazanie in ihrem ersten Winter im Wohnraum. Starker Blattverlust und viele neue aber viel zu schwache schmale Blätter. Der Wasserhaushalt klappt nicht und die Pflanze wird wahrscheinlich absterben.1-jährige Gazanie in ihrem ersten Winter im Wohnraum. Starker Blattverlust  und viele neue aber viel zu schwache schmale Blätter. Der Wasserhaushalt klappt nicht und die Pflanze wird wahrscheinlich absterben.

Im Frühjahr wieder hinaus

Die Herausforderung ist es, sie über die Runden zu bringen und sie nach der Frostperiode wieder startbereit hinaussetzen zu können. Je nach Verkümmerungsgrad nimmt man im Frühsommer einen Startnachteil im Vergleich zu neu gekauften Pflanzen mit. Man verliert leider ein bis drei Monate Blühzeit. Wenn gekaufte Pflanzen bereits Ende Mai blühen, kann es bei den überwinterten leider auch Ende August für die erste Blüte werden. Aber man will ja die Herausforderung meistern, die Pflanzen möglichst natürlich mehrjährig leben zu lassen.

Bei warmer Sonne stelle ich die Töpfe mit Gazanien schon im Spätwinter untertags hinaus. Das ist gut, aber leider sehr mühsam, ausser man hat einen passenden Rollwagen. Wie bei allen innen überwinterten Pflanzen muss man sie wieder an die Sonne gewöhnen, aber Gazanien kann man letztendlich sehr schnell in die direkte Sonne stellen. Ganz hinaus geht es erst ab der sicher frostfreien Zeit!

Meine Erfahrung zeigt, dass auch ein partieller Erdtausch im Frühjahr kontraproduktiv ist, die Pflanzen sind einfach zu schwach. Es wäre zwar gut, weil auch viel Wurzelmaterial abgestorben ist, aber viele Pflanzen überleben den Schritt nicht. In jeden Topf stecke ich allerdings ein bis zwei Stäbe Blühdünger. Ich füge im Topf oben etwas dichtere und natürliche Erde aus dem Garten (nicht kalkhaltig!) ein, um das Austrocknen zu verhindern.

Mehrjährige Gazanien erkennt man dadurch, dass sie kleine Horste bilden, die höher stehen. Das kann problematisch werden, weil die Pflanze so in die Höhe wächst, in der Natur wächst sie normalerweise ebenso horstartig, aber in die Fläche. Man kann diese Pflanzen im Herbst tiefer setzen und die höchsten Horste herausschneiden, aber mehr als vier bis fünf Jahre klappt das nicht. Man kann sich ohnehin glücklich schätzen, wenn man eine Gazanie so lange durchgebracht hat.

Gazanien vom Samen ziehen

Im Internet und in Fachzeitschriften liest man zu Gazanien dass man immer verblühte Blüten und tote Blätter schnell herausschneiden soll, weil dies die Pflanze schwächt. Klar fordert das Herausbilden von Samen Energie, aber meines Erachtens sind tote Pflanzenteile nur ein optisches Problem.

Lässt man einige Blüten ausblühen, so bilden sich Samen, die direkt im Blumentopf auch keimen und kleine Pflänzchen bilden. Man kann auch nachhelfen, indem man die Samen direkt von der trockenen Blüte in den den Blumentopf zerbröselt. Zuerst kommen zwei kleine runde Blätter, anschliessend bald zwei längere, die wie die ausgewachsenen Pflanzen schon ähnlich behaart und leicht fleischig sind. Wenn sie gross genug zum Umtopfen sind, das heisst 5cm hoch, kann man sie getrennt weiterziehen. Auch hier wie bei der grossen Pflanze: nie die Wurzeln ganz freilegen, immer viel der ursprünglichen Erde mitnehmen, auch wenn es bei den kleinen Pflänzchen beschwerlich ist.

Aber auch hier bekommen wir mit dem Jahreslauf ein Problem: diese kleinen Pflänzchen erscheinen frühestens Ende August. Ende September kann man sie umtopfen, dabei schwächt man sie extrem und gleichzeitig müssen sie in das schlecht adaptierte Winterquartier wechseln. Der Verlust ist hier sehr hoch, bei mir liegt er derzeit zwischen 90 und 100%. Heuer hat ein einziges Pflänzchen überlebt. Dieses ist im Juli aber sehr vital, allerdings ohne Anzeichen eines Blütenansatzes.

Man kann die Samen auch sammeln und selber direkt in setzen, ich hatte damit allerdings noch keinen Erfolg. Anscheinend sind die Samen nur sehr kurz keimfähig.

Fazit

Man kann Gazanien überwintern, der Verlust bleibt aber sehr hoch.

Rot-orange Gazanien im Topf

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