Strombedarf in einem kleinen Camper

Thema: vom Lieferwagen zum Camper.


Es ist der Trafic unser erster vollwertigers selbst ausgebauter Camper. Nach nun fast sieben Jahren (2017) Einsatz hat sich das Stromsystem bewährt, im Vorfeld war aber einiges unklar.

12V-Gleichstrom-System

Wenn man mehr als ein paar LED-Leisten betreiben will, braucht man zwingend eine Zweitbatterie. Man braucht sie auch mit einem Wechselrichter und ebenso wenn man eine Standheizung betreiben will. Sowohl Wechselrichter als auch Standheitung schalten unter einer gewissen Spannung ab, aber diese reicht bei weitem nicht mehr um am Tag drauf einen Dieselmotor zu starten. Eine Zweitbatterie kann die schweren Lasten beim Stehen übernehmen und die Motorbatterie bleibt ausschliesslich für den Motor reserviert.

Direkt an diesen 12V hängen hinter dementsprechenden Flachsicherungen:

  • die Standheizung,
  • alle zusätzlichen Innenlichter, bei mir sind das ausschliesslich LED-Leisten,
  • die Wasserpumpe,
  • der 600W-Wechselrichter.

Batteriestandsanzeige

LED-Leisten und die Wasserpumpe gehen auch, wenn die Zweitbatterie unter 10V fällt. Das ist zwar für die Batterie schlecht, aber notfalls hat man noch Licht und Wasser. Unbequem kann es allerdings im Winter werden, wenn die Spannung unter die Abschaltgrenze der Standheizung fällt (ca. 11V). Für den Betrieb braucht sie nicht all zu viel, zum Zünden allerdings schon. Wenn man nun sorglos am Wechselrichter Strom gesaugt hat, kann man am Ende des Tages ohne Heizung dastehen. Im März in Tromsø kann das ärgerlich sein. Deswegen habe ich nach einiger Zeit eine Batteriestandsanzeige nachgerüstet.

Zum Einsatz kommt eine Flüssigkristallanzeige, die den Strom für die Anzeige direkt aus den 12V ziehen kann und die nur Werte anzeigt, wenn den entsprechenden Schalter aktiviert. Diese Anzeigen gibt es bei Conrad, sie sind nicht ganz billig, aber sie ersparen das Vorschalten von Widerständen.

Zum Einbauen braucht man einen einigermassen flachen Bereich (es fallen sonst Segmente aus) der sich auch nicht zu weit vom Batteriefach entfernt befindet.

Aktiviert wird die Anzeige mit einem Umschalter, der zwei wichtige Voraussetzungen erfüllt:

  • Er hat eine Null-Position, in die er automatisch zurückfällt und somit wird nur im gedrückten Zustand Strom für Anzeige verbraucht
  • Die beiden Positionen Autobatterie und Zweitbatterie dürfen nicht beim Umschalten kurzgeschlossen werden, sonst läuft hier ein Ausgleichsstrom zwischen den Batterien, der den Schalter schmelzen lassen würde.

Der Schalter stammt aus einem elektrischen Gerät, ich weiss aber nimmer woher genau.

Das Kabel führt eine Masse und zwei Mal 12 Volt von der Hauptbatterie und der Zweitbatterie. Es kommt unter dem Deckel unter dem Fahrersitz hervor, man muss diesen leicht aufbiegen wenn man ihn nicht anbohren will. Dumm ist hier, das man genau im Bereich ist, wo man immer selber herumtritt, man sollte ein gutes und starkes Kabel wählen und/oder gut ummanteln und das Batteriefach wieder abdichten.

Im Bild unten das das Messgerät und der Umschalter von hinten. Das Messgerät braucht selber 12V plus, das kommt von den zugeleiteten zu messenden Spannungen, muss aber extra zugeführt werden.

220V-Wechselstrom-System

Ich habe nur hinten an der D-Säule eine Steckdose und vorne 2 hinter dem Fahrersitz.

Dieses System ist bei mir zweigeteilt:

220V vom Wechselrichter („rechteckige“ Kurve)

Direkt vom Wechselrichter aus ist eine Steckdose versorgt, an welcher die Wasserheizung angeschlossen ist. Das hat rein praktische Gründe, denn diese elektrische Heizung wurde erst später verbaut. Grundsätzlich brauche ich mit einem externen Stromanschluss kein Wasser heizen, denn dann habe ich ohnehin Zugang zu Warmwasser in einem Duschhaus am Campingplatz.

Strom für Steckdosen geht zuerst zu einem zentralen Schlater, wo zwischen externer Stromquelle oder dem Wechselrichter geschalten werden kann. So kann ich alle Steckdosen mit beiderlei Strom versehen, allerdings muss man darauf achten, dass man wirklich zwischen beiden strikt alle Pole umschalten kann, sonst zerstört man mit Sicherheit den Wechselrichter oder lässt am Campingplatz Sicherungen springen.

Der Wechselrichter hat auch einen USB-Ladeausgang, den ich hoch zu den Steckdosen hinter dem Fahrersitz gelegt habe. Dort befindet sich auch der Umschalter und die Steuerung der Standheizung.

Dieses Kästchen oben im Bild befindet sich vor dem Küchenmöbel, es ist gestuft um den Fahrersitz möglichst weit bewegen und neigen zu können. Es umfasst von oben links einen freien Platz, zwei 220V-Steckdosen, dazwischen den Thermostatfühler für die Standheizung. Unten von links: Umschalter für 220V-Strom vom Wechselrichter oder vom Aussenanschluss, Webasto-Thermostat und Umschalter Heizung/Lüften, Ein-/Ausschalter für den Wechselrichter, darunter USB-Stecker und Signaldioden des Wechselrichters.

Die Sicherungen und der Wechselrichter befinden sich im Boden des Küchenelements, siehe das Bild unten. Hier ist es echt eng. Ganz vorne zwei Auslässe der Heissluft der Standheizung, dahinter links der Wechselrichter 12/220V, rechts die 12V-Flachsicherungen und die Anschlüsse für die 12V-Geräte. Hinten unten die Kaltluftansaugung der Standheizung. Die Kabelschächte nach links gehen zur Wasserpumpe. Jene rechts gehen zu einem Teil nach oben zur Stromtafel, zum Teil nach hinten (220V-Einspeisung, Steckdose und noch unbelegte Lautsprecherkabel), zum Teil nach oben (Licht).

Der Standort ist nicht ideal, aber er ergab sich bei mir wegen der Standheizung in diesem Bereich.

220V extern (Sinuskurve)

Über die Hecktüren kann ich ein Verlängerungskabel an Stromsäulen am Campingplatz, zu Hause oder bei Freunden anschliessen. Ich habe kein Ladegerät verbaut, mit dem ich zusätzlich so die Zweitbatterie laden könnte. Erstens fahre ich meist genug herum, dass diese voll ist, zweitens nutze ich das 12V-System nicht intensiv.

Nach dem Verlängerungskabel geht es in einen FI-Schalter und weiter in eine 16A-Sicherung. Beides ist nötig, da man nie wissen kann wie Campingstromnetze abgesichert sind. Diese Leitung geht anschliessend zu dem oben beschrieben Umschalter und über diesen weiter zu den Steckdosen.

Wenn nun jemand der Kühlschrank abgeht, der möge hier nachlesen. Mehr zu Strom in Camper gibt es unter Zweitbatterie verbauen.

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