Übernahme des Lieferwagens

Thema: vom Lieferwagen zum Camper.


Kauf in Deutschland

Bei Preisen rund um EUR12000 kann man auch nicht an das Ende der Welt fahren, um das Fahrzeug zu kaufen, denn das Abholen kosten ja auch etwas. Ein um EUR1000 billigerer Wagen in Rostock ist nicht billiger als vor der Haustüre wenn man in Tirol wohnt. Durch Abkopfen der Internetangebote bin ich dann im Süden von München fündig geworden: ein kleiner Händler, der einen Lieferwagen der technischen Universität München als Erstbesitzer übernommen hatte.

Man muss jedenfalls die Hinfahrt (meist öffentlich), eventuelle Übernachtungskosten und Kilometerkosten für die Überstellungsfahrt einkalkulieren. In unserem Fall war es mit München eine einfache Übung: EUR50 für Bahn- und Schnellbahnfahrt.

Kennzeichen und Versicherung für 5 Tage

Der Vorteil beim Kauf in Deutschland bei einem Händler: er kann recht einfach ein deutsches Überstellungskennzeichen für fünf Tage beschaffen. Das kann auch ein privater Verkäufer oder man kann es selber als Käufer, aber dafür braucht es mindestens einen zusätzlichen Werktag und besonders bekommt man das Kennzeichen als Privater nur wenn man zuvor eine deutsche Haftpflichtversicherung für diesen kurzen Zeitraum abgeschlossen hat. Der Händler hingegen kann das Kennzeichen einfach beziehen und hat standardmässig Versicherungspolizzen vorliegen weil er diese sowieso auch für seine deutschen Kunden vor Ort braucht.

Sowohl das Kennzeichen als auch die Versicherung gelten für Fahrten ins Ausland. Das ist der grosse positive Unterschied zu dem “blauen” österreichischen Überstellungskennzeichen (es gibt auch ein grünes, das ist aber sehr teuer). Niederländische Überstellungskennzeichen sind sehr kompliziert zu beschaffen.

Konkret läuft die Versicherung und die Kurzzeitanmeldung namentlich auf den Händler, er “borgt” quasi die Fahrberechtigung für das Fahrzeug, welches man mittels Kaufvertrag schon besitzt. Der Händler hält sich rechtlich schadlos, indem man ihm formlos mit Unterschrift bestätigt, für Schäden, die über die Versicherung hinausgehen, aufzukommen. Faktisch ist man bei solch einer Fahrt nur minimal haftpflichtversichert. Man könnte über Automobilklubs oder direkt bei Versicherungen den vollen Schutz auch für solche Überstellungsfahrten organisieren.

Mit dem Überstellungskennzeichen gibt es auch keine Fahrzeugpapiere. Ich bekam vom Händler die alte und gestrichene Zulassungsbescheinigung I und II des Vorbesitzers ausgehändigt (braucht man später auch für die neuerliche Anmeldung in Österreich). Man hat also ein Fahrzeug das man laut Kaufvertrag besitzt, dazu Fahrzeugpapiere des Vorbesitzers sowie Kennzeichen und Versicherung des verkaufenden Händlers…

Im Jahr 2010 beliefen sich die Kosten für das deutsche Kurzzeit-Kennzeichen und die Versicherung auf knapp unter EUR100. Diesen Preis diktiert der Händler.

Begutachtung vor Ort

Wenn man einen Wagen über das Internet sucht, kann man unter Umständen auch im Internet direkt bezahlen, aber das wird man bei einem Gebrauchten nie machen. Man reserviert also das Fahrzeug, fährt vor Ort hin und begutachtet es erst einmal. In der Regel wird es bei einem Händler etwa den Angaben entsprechen, aber auch hier gibt es schwarze Schafe.

Man sollte den Wagen auf alle Fälle auch begutachten, so gut man sich halt auskennt. Lackschäden sind nicht das Mass der Dinge. Schnelles und reibungsloses Anstarten, Öl unter dem Motor, Rost an der Auspuffanlage, wackelige Schürzen (Stossstangenverkleidung), anspringendene und einsetzende Klimaanlage, Schäden am Armaturenbrett, Servicehefte etc. sind die Sachen die man anschauen sollte.

Wenig Sinn macht es Sitze, Gummimatten und Pedale anzuschauen, diese Sachen lassen sich leicht austauschen. Gebrauchtwagenhändler haben zudem die Unart Gummi- und Kunststoffteile mit einem Duftöl einzureiben, dass sie “schön” glänzen und duften. Ein Blick in den Fussraum von Fahrer und Beifahrer macht aber Sinn, es gibt hier auch Teile, die kaputtgehen können aber nur unbequem zu tauschen sind.

Idealerweise macht man eine Ankaufsüberprüfung bei einem Automobil-Klub. Im Ausland ist das aber kompliziert, es braucht einen Termin, es gibt logistische Überstellungsprobleme des vor Ort (noch) nicht angemeldeten Fahrzeugs. Jedenfalls muss der Verkäufer mitspielen. Es zahlt sich wahrscheinlich erst ab EUR20000 Kaufpreis wirklich aus.

Barbezahlung

Aufgrund der Überprüfung, die erst vor Ort erfolgen kann und weil man den Händler sonst nicht kennt, ist nach wie vor die Barzahlung Usus. Da reist man mit viel Bargeld. Die Händler sind drauf eingestellt und haben auch Zählmaschinen für Geldscheine.

Überführung

Man setzt sich in das Fahrzeug, tankt gegebenenfalls bald und fährt nachhause. Theoretisch könnte man noch ein paar mal um Häuserblöcke fahren, aber echte Probleme zeigen sich dann doch meist nicht so schnell.

Wenn man zuvor nie mit einem Lieferwagen gefahren ist, kommt jetzt der Zeitpunkt, sich an das neue Fahrgefühl zu gewöhnen. Die überhöhte Sitzposition merkt man sofort positiv, die Länge macht nicht viel aus, jedenfalls so lange man nirgends einparken muss. Hinderlicher kann schon die schlechte oder gar nicht existierende Sicht nach hinten sein. Wirklich aufpassen muss man mit der Höhe (kling klar, aber es gibt immer wieder dramatische Unfälle) und heimtückischer ist die Breite. Im Vergleich zu einem Kombi ist man doch mindestens 20cm breiter, die grossen Spiegel ragen weit hinaus.

Anmeldung in Österreich als LKW

Ein aus Deutschland importiertes Fahrzeug kann mit dem 5-Tages-Kennzeichen noch die restlichen Tage fahren. Man kann mit dem Händler auch eine längere Versicherungsdauer ausmachen und faktisch ist somit das Fahrzeug ausserhalb von Deutschland dann noch grundsätzlich als “angemeldet” zu betrachten. Aber ob die österreichische Polizei das auch so sieht ist nicht sicher, immerhin steht das Enddatum klar am Kennzeichen.

Wenn man also die 5-Tages-Frist zur korrekten Anmeldung in Österreich nutzen will, so muss man bei der Meldestelle eine technische Überprüfung zur “Einzelgenehmigung” terminlich angemeldet haben. Anderenfalls steht man mit einem nicht angemeldeten Fahrzeug herum, das man auch nicht legal zur Meldestelle fahren kann. Es wäre blöd dafür einen Abschleppdienst zu brauchen.

Die Überprüfung zur Einzelgenehmigung entspricht einer erweiterten Pickerlkontrolle. Wenn es sich um ein Originalfahrzeug ohne Umbauten handelt, dann ist es einfacher, weil die Meldestelle über die Fahrgestellnummer auch ausländische Fahrzeuge identifizieren kann. Es wird aber trotzdem auf alle möglichen Einzelheiten geschaut. Es macht also Sinn, wenn das Fahrzeug technisch in Ordnung ist. Wird man zurückgeschickt so kostet zur neuerlichen Überprüfung nach der Behebung der Mängel noch mal und natürlich geht sich das nie in der  5-Tages-Frist aus. Der Einzelgenehmigung werden auch Fotos des Fahrzeugs beigefügt.

Das Prozedere dauert über eine Stunde und kostete 2010 für den Einzelgenehmigungsbescheid (Typisierung als LKW) EUR150.

Als LKW gemeldet fällt keine NOVA-Zahlung an.

Eine Ladetrennwand kann man übrigens vor oder nach der Typisierungskontrolle entfernen, wenn es sich um einen hinten geschlossenen Lieferwagen handelt. Man kann nämlich nicht einfach Sitze hinten einbauen. Grundsätzlich wird unser Fahrzeug später als PKW typisiert und angemeldet, aber die Umbauten bis hin zu einer Rückbank dauern noch ein paar zusätzliche Monate. Das kostet zwar nochmals, aber so kann man wenigstens fahren.

Einen weiteren Termin sollte man mit seinem Versicherungskontakt ausmachen, dieser besorgt mit dem Einzelgenehmigungsbescheid ein Kennzeichen und die Anmeldung (gelber Typenschein), das kostete noch einmal EUR155.

Die 5-Tages-Kennzeichen kann man sich anschliessend an die Wand hängen. Ich habe sie als Montageplatte für Relais und Sicherungshalter zwischen Haupt- und Zweitbatterie verwendet…


Unser Trafic noch mit deutschem Überstellungskennzeichen.

Unser Trafic noch mit deutschem Überstellungskennzeichen.

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