Produkt-Kritik am E-Reader Tolino Shine

Da wir eine längere Reise planten und nicht Bücher mitschleppen wollten, investierten wir in einen E-Reader. Uns war klar, dass es sich im Wesentlichen um ein technisch abgespecktes Handy mit grossem Bildschirm handelt und dass die Auswahl am Markt eher dünn gesät ist (grob Kindle, Kobo und Tolino). Technisch zwar versiert, lassen wir uns doch in einer Buchhandlung beraten.

Unzureichende Kaufberatung in einer Buchhandlung

Erste unangenehme Überraschung: jede Buchhandlung setzt auf ein eigenes System und allen E-Readern ist ein System vorinstalliert. Unser Buchhändler setzt ausschliesslich auf Tolino. Kauft man einen E-Reader in der Buchhandlung X, so ist dieser mit dessen Online-Kauf-System vorkonfiguriert. Das ist, gemessen am Preis, eine ziemliche Bevormundung.

Die Frage, ob man, mit einem vorkonfigurierten Gerät auch E-Books einer anderen, besonders einer ausländischen Buchhandlung, beziehen kann, wird nicht hinreichend beantwortet. Nun wissen wir, dass es natürlich über den eingebauten Webbrowser geht, trotzdem waren sie in der Buchhandlung überfordert.

Wir beanspruchten die Kaufberatung im Februar 2018, also zu einem Zeitpunkt, wo E-Reader schon sehr weit verbreitet sind. Wir verschieben den Ankauf und geben uns ein paar Tage Bedenkzeit.

Ankauf online

Da ich sowieso Computerbestandteile besorgen musste, die ich brauchbar nur online aus Deutschland bekomme, habe ich dort auch gleich einen vermeintlich “neutralen” Tolino-Reader bestellt. Kindle schied aufgrund der Amazon-Bindung aus, zu Kobo fand ich nicht ausreichend Information.

Das Gerät kommt an, mit USB-Ladegerät aber ohne Schutzhülle. Das ist gut so, denn so kann man selber wählen, was man als Schutz braucht. Zu Hause braucht es wahrscheinlich gar keinen.

Beim Einschalten folgt eine Sprachauswahl und gleich darauf der fette Hinweis: JETZT EINRICHTEN. Nach einer Landesauswahl (die nun auf Deutschland, Schweiz und Österreich beschränkt ist) startet eine Seite im Web-Browser und, Überraschung, sie führt uns genau zu der Buchhandlung wo wir uns ein paar Tage zuvor beraten liessen! Das heisst, ein Tolino muss fix an eine Buchhandlung gebunden sein. Oder man hat ewig den Hinwies JETZT EINRICHTEN in den Menüs aufleuchten (so habe ich es bis jetzt, da ich mich nirgends fixieren will).

Es ist besser, man lässt das WLAN ausgeschalten, so erspart man sich die Buchhandlungswerbung unten. Ist sie einmal da, bekommt man sie auch nicht mehr weg.

Positiv ist die lange Akkulaufzeit. Diese wird nicht unbedingt durch einen grossen Akku erreicht, sondern über die sparsame Funktionalität und dem trägen Bildschirm. Einige der unten angeführten Fehler beruhen direkt auf diesen Umständen und beweisen, dass nicht die richtige Balance gefunden wurde.

Unzulänglichkeiten bei der Benutzung

Ich habe auf dem Reader ca. 200 E-Books geladen und rund 20 davon bereits am Tolino gelesen. Meine benutzen E-Books sind alle frei und stammen aus diesen wenigen Quellen: Free e-books.  Darauf beziehen sich meine Erfahrungswerte. Ich stelle keine Vergleiche mit anderen E-Readern an, Bibliotheken oder kommerziellen Quellen an.

Benutztes Gerät: Tolino Shine 2 HD mit Softwareversion: 11.2.3, das ist die höchst mögliche zum Zeitpunkt der Erstellung des Blogeintrags.

Es ist völlig klar, dass man den Tolino-Reader auch hacken kann und so durchaus eingreifen könnte, das kann aber nicht Sinn eines Consumer-Artikels sein.

Erzwungene Adobe ID für kommerzielle Bücher

Trotz ausschliesslich freier Bücher, musste ich für einige E-Books eine so genannte Adobe ID anlegen (auf einem Computer, unabhängig vom Reader). Damit wird man bei der Nutzung von Büchern identifiziert, die über den De-Facto-Standard Adobe DRM geschützt sind. Das trifft auf die meisten *.EPUB-Dateien zu. Für käufliche Dateien braucht man diese ID unbedingt. Man ist halt wieder irgendwo bei einem kommerziellen Dienst registriert.

Das ist kein Manko von Tolino per se, es sei aber der Vollständigkeit halber für Erstnutzer erwähnt.

Dateien und mangelhafte Organisation der Bücher am Tolino

Ich habe mehrsprachige Reiseliteratur aus dem 19. Jahrhundert und auch ein paar Literatur-Klassiker am E-Reader geladen. Da es einfacher ist, die Recherchen am Computer zu machen, habe ich dort die EPUB-Dateien gesammelt und später auf den Tolino-Reader übertragen. Über USB erscheint der Reader wie ein Laufwerk. Das klappt soweit so gut.

Es gibt Ordner, die man nicht braucht und nie brauchen wird (wie DCIM für Photos, die der Tolino nie machen können wird), aber immerhin einen Ordner Books samt dem Unterordner Preinstalled. Der Ordner Books ist  anfangs leer, unter Preinstalled liegt eine Bedienungsanleitung (manual_de.epub) und ein erstes Buch (bovary_de.epub). Dieses Buch stammt 1:1 aus den oben angeführten Quellen von freien E-Books. Die bereitgestellten Bücher hängen von der Sprachauswahl ab, auch braucht es dafür ein verbundenes WLAN. Die Dateinamen sind sprechend oder auch nicht, bei gutenberg.org heisst das Buch “Frau Bovary by Gustave Flaubert” und hat den Dateinamen pg15711-images.epub.

Am Tolino erscheint das Buch als Graphik mit dem Titelblatt (wenn verfügbar) oder in alphabetischen Listen unter Titel als “Frau Bovary”, unter Autor als “Flaubert, Gustave”. Das ist ganz nett, aber nur so lange die geladenen EPUB-Dateien ordentlich gestaltet sind und das ist bei weitem nicht immer der Fall. Fehlt das Titelblatt, so erscheint ein leeres Kästchen mit Text.

Aber auch bei der Benennung der Autoren kommt es zu Fehlern oder Auffassungsunterschiede: “Emile, Zola”, “Émile Zola”, “Zola, Emile” und “Zola, Émile” sind vier verschieden Möglichkeiten. Meine 31 Bücher von Émile Zola sind somit unter vier verschieden Einträgen in der Autorenliste zu finden. Das kann man nicht korrigieren, ohne die EPUB-Dateien zu verändern und das geht am Tolino nicht.

Sortierung nach Autoren

Bei den Büchern von Émile Zola wäre zum Beispiel das Erscheinungsjahr interessant, weil seine Bücher eine logische und zeitliche Abfolge haben. Am Tolino kann man unmöglich danach sortieren. Man kann auch keine Anmerkungen dazu machen. Einzig Seiten-Notizen sind möglich, diese werden in der Datei notes.txt abgelegt.

Ungut sind auch Bücher, wo im EPUB oder im PDF der Autor nicht eingetragen ist, diese Bücher kommen alle in die Kategorie “ohne Autor”. Auch hier gibt es keine Möglichkeit, Namen umzubenennen oder nachzutragen.

Es ist auch nicht möglich, den Dateinamen heranzuziehen oder wenigstens anzeigen zu lassen. Somit sind nicht-sprechende Dateinamen wie pg15711-images.epub durchaus akzeptabel. Will man die Bücher am Computer sortieren oder einen Überblick gewinnen, hilft einem das nicht wirklich. Natürlich ist es möglich, die Dateien sauber zu benennen, aber am Tolino wird man nichts davon mitbekommen.

Sortierung nach Titel, aber faktisch nach Autor.

Dürftige Bücher-Sammlungen am Tolino

Neben den automatischen Listen nach Buchtitel und Autor, gibt es als einzige persönliche Sortierung so genannte “Sammlungen”. Das sind Ordner, die man frei benennen kann. Ein Buch kann auch mehreren Ordnern zugewiesen werden. Das klingt soweit brauchbar, aber dabei hört das Service schon auf:

  • Die Order werden nur graphisch angezeigt, je vier pro Seite. Der Überblick geht bei mehr als vier Ordnern schnell verloren.
  • Innerhalb der Ordner erscheint eine Liste stur alphabetisch nach Titel sortiert.
  • Es gibt keine Unterordner.
  • Die Ordner sind nur eine logische Ebene im Tolino, sie werden nicht im Dateisystem abgebildet. Das heisst, man kann nicht am PC die Bücher vorsortieren, wie es beim Laden aus freien Quellen hilfreich wäre. Löscht man alle Dateien und spielt sie vom PC zurück, sind alle “Sammlungen” verloren.
  • Lädt man viele Bücher neu auf den Tolino, erscheinen sie unter “Titel” und “Autoren” (mit der unzureichenden Sortierung) und einem graphischen Hinweis “neu” solange man sie nicht “aufgeschlagen” hat. In einem Untermenü rechts (drei Punkte) kann man das Buch einer “Sammlung” zuordnen. Man klickt sich durch und fügt das Buch hinzu. Danach muss man wieder in die Hauptliste und das ganze geht nur einzeln je Buch. Da sitzt man sinnlos lange herum und tippt sich wiederholt durch die selben Menüs.

In Bücher “schnuppern” ist langwierig

Hat man einmal einen Überblick über seine Bücher und will man hineinsehen, dann wird es recht umständlich. Das Anwählen erfolgt linear über Zu meinen Büchern, dann Titel, Autoren oder Sammlungen und darin jeweils weiter bis man die erste Seite des Buchs aufgeschlagen hat. Dann muss man oft Urheberrechtshinweise und Titelblätter überblättern und kommt endlich zum Buchtext.

Von einem aufgeschlagen Buch zurück geht es aber nur über den “Home”-Button, der einem ausschliesslich auf die Startseite zurückführt. Will man bloss einfach ein weiters Buch in einer Sammlung öffnen, muss man die ganzen Vorgang nochmals durchtippen. Es gibt kein einfaches “zurück”.

Inhaltsverzeichnisse von Büchern

Auch diese hängen immer von der Qualität der digital aufbereiteten E-Books ab, der Tolino tut hier selber sehr wenig dazu. Tippt man auf die Seitenmitte, erscheint ein Menü oben, unter dem man zu einem Kapitelverzeichnis kommt. Idealerweise ist das eine Liste mit Kapitelnummern und Kapiteltitel. Schon beim voll konfigurierten E-Book gibt es hier Probleme weil es nur eine Zeile je Kapitel gibt und dieser am Zeileneinde einfach abgeschnitten ist, hier geht viel Information verloren. Verschlimmert wird es mit Unterkapiteln, wo sich eine hierarchische Struktur aufbaut, die nach rechts noch weniger Platz für den Kapiteltitel lässt.

Titel werden oft gekürzt. Bei “2.1. Zweites Buch, Erstes Kapitel, Über die Gepflogenheiten der seiner Durchlaucht der Regent von Sowieso“. Der Tolino zeig dann höchstens “2.1. Zweites Buch, Erstes Ka…” an und dies analog für alle anderen Kapiteln. So hat man natürlich gar keinen Überblick mehr.

Es gibt aber auch Bücher ohne richtiger Kapiteleinteilung, da bleibt die Kapitelübersicht gänzlich leer, obwohl im Textverlauf Grossblöcke ersichtlich wären. Es gibt auch den Fall wo Kapitel erkannt werden, aber nur Nummern erscheinen.

In allen Fällen macht hier der Tolino viel zu wenig. Mindestens mehrzeilige Titelnamen und eine Vorschau auf den Kapitelinhalt sollten möglich sein.

Seitenverweise und verlorene Rückverweise

Man wechselt die Seite mit Wischen oder Antippen des rechten oder linken Seitenrands. Unten ist immer die Seite und die Gesamtseitenzahl eingeblendet. Diese Seitennummern beziehen sich allerdings auf das Originalbuch und nicht die Bildschirmseiten in der jeweiligen Zoomstufe. Das heisst man blättert, aber die Seitenzahl ändert sich nur z.B. nach jedem vierten “Umblättern”. Das ist normal und machen auch andere Reader so, ist aber ungut bei Verweisen in den Anhang. Diese Verweise sind wie Links im Internet unterstrichen, der Ablauf ist aber unvollständig:

  1. Man wählt den Verweis an. Probleme bereiten kleine Zahlen und grosse Finger, zudem Verweise, welche am Seitenrand erscheinen, hier muss man eine genaue Zeit lang (aber nicht zu lange) antippen, sonst blättert man, statt dem Verweis zu folgen oder wählt nur den Text (zum Setzen einer Notiz) an.
  2. Der Reader springt auf die betreffende Seite im Anhang oder zur Fussnote.
  3. Auf der Seite erscheint ein Button, um auf die ursprüngliche Seite zurückzugelangen. Dieser hat zwei Probleme:
    1. Er verdeckt einen Teil des Texts. Er erscheint übrigens ebenso wenn man im normalen Leseverlauf schnell blättert.
    2. Er verschwindet, wenn man im Anhang nur einmal weiterblättert. Ab dann weiss man nicht mehr wo man herkam, wenn man sich nicht die Seitennummer gemerkt hat.
  4. Hat man sich die Seitenanzahl gemerkt und springt direkt hin (Bildschirmmitte antippen und dann ggf. auf die Seitenzahl, wenn man den Slider nicht mag), springt man an den Anfang der Seite des Originalbuchs zurück und nicht auf die Ansicht, wo man den Sprung in den Angang angewählt hatte. Die Verwirrung ist also total.

Überlange Urheberhinweise werden eingeblendet

Viele Bücher, auch die freien, werden mit langen Urheberreferenzen bereitgestellt. Innerhalb der EPUB-Dateien, sind diese Bereiche (wahrscheinlich) klar gekennzeichnet. Tolino erkennt sie aber nicht und blendet sie voll ein. So beginnen viele Bücher mit seitenlangen Copyright-Angaben. Diese sind es auch, die man in der Vorschau sieht, wenn das E-Book ohne Titelbild-Graphik ist.

Diese Hinweise sind normalerweise nicht Teil der Seitennummern des Buchs, aber sie müssen immer händisch durchgeblättert werden, wenn sie sich am Anfang befinden.

Ohne Titelbild erscheint nur der Urheberrechtshinweis

Gelesene Bücher

Hat man ein Buch fertig gelesen, so wird man gefragt, ob es als gelesen markiert werden soll. Wenn ja, erscheint in den Listen ein Häckchen und unter “Sammlungen” wird ein Ordner “gelesene Bücher” angelegt, er erscheint hinter allen anderen Ordnern.

Zwei Probleme treten dabei auf:

  • Befinden sich hinten lange Anhänge, weiter Urheberrechtshinweise und/oder Werbung, so muss man alle diese Seiten durchblättern, bis man auf der letzten bestätigen darf, dass man das Buch als gelesen markiert haben will.
  • Die gemerkte Seite bleibt auf der letzten, z.B. 130/130. Das ist nicht unbedingt zielführend: wenn ich ein Buch wieder aufschlagen will, dann sicher nicht von hinten.

Interessanteweise wird die Information “gelesen” in der EPUB-Datei gespeichert, denn entfernt man solch eine Datei und fügt sie wieder hinzu, so bleibt die Markierung erhalten. Die Einordnung in andere “Sammlungen” geht allerdings verloren.

Schwieriges Einstellen der Schriftgrösse und Bilder

Man zoomt etwa so wie auf einen Handy, mit zwei Fingern auf- oder zusammenziehen. Bloss reagiert der Display extrem langsam und es tut sich vorerst nichts und man zoomt weiter. Erst dann erscheint oben eine Skala mit verschiedene grossen Buchstaben, die man aber nicht anwählen kann, um eine gewisse Zoomstufe händisch zu wählen. Da die Stufen ohnehin fix sind, wäre ein Plus- und ein Minus-Button wohl sinnvoller gewesen. In den Grundeinstellungen kann man keine Schriftgrösse vorgeben.

Ärgerlich ist auch, das eingebundene Graphiken nicht mitgezoomt werden. Sie werden 1:1 auf dem doch recht hoch auflösenden Display eingeblendet. Manchmal wünscht man sich auch grössere Abbildungen, wenn man schon eine grosse Schrift braucht.

Software am Tolino

Fehlende Notiz-Software

Neben der Reader-Software und den Einstellungen gibt es nur einen Webbrowser. Das ist, gemessen am Umstand, was das Gerät sonst noch könnte, recht dürftig. Mir geht die Möglichkeit ab, echte Notizen zu machen und zwar unabhängig von den Büchern. So habe ich z.B. ein Buch über reisende Frauen vor dem 20. Jahrhundert gelesen, ich hätte mir gerne einzelne Namen daraus notiert, um später damit Originalbücher zu suchen. So kopierte ich die Namen händisch ins Handy und von dort später wieder auf den Computer um ernsthaft danach zu suchen. Umständlicher geht es wirklich nicht. Der Tolino hat eine vollständige Tastatur, die ab verschiedenen Stellen eingeblendet wird, ein “Notitzblock” wäre somit einfach umsetzbar.

Der Webbrowser am Tolino

In der neuesten Softwareversion kann man am Browser nun auch Bookmarks setzen, das ging bis dahin nicht und war ein häufig genannter Kritikpunkt da man den Browser höchstens zum Suchen nach E-Books in Shops oder freien Listen nutzen kann.

Das Problem, dass es sich nach wie vor um einen normalen Browser handelt, der auf einem sehr langsamen Bildschirm in Graustufen rendern muss, bliebt. Der Seitenaufbau ist extrem langsam, Bilder flackern ewig bis die einigermassen korrekt angezeigt werden, Verläufe werden abgestuft eingeblendet. Das ist alles normal und auf die Technik der Anzeige zurückzuführen, aber man hätte einen Browser installieren können, der besser auf die Hardware abgestimmt ist. Die Quadratur des Kreises, Browser am Tolino, hat man so nicht bewältigt.

Software-Update am Tolino

Im Gegensatz zu anderen Geräten dieser Art bekommt man keinen Hinweis, die Software zu erneuern. Das kann man sogar positiv bewerten, man wird nicht immer störend an Updates erinnert. Der Tolino ist zwar ein Gerät, welches im Netz hängt und über den Browser können auch Käufe getätigt werden, das Viren-Einfallstor ist der Reader aber nicht unbedingt.

Den Updatevorgang erreicht man über “Menü” (die drei Striche links oben am Startbildschirm), weiter auf Information und Hilfe und dort Nach neuer Version suchen. Über die Logik der Menüführung kann man streiten, aber es gibt sehr wenig Punkte und so findet man sie auch irgendwann. Mit einem Versionsupdate wird das gesamte Betriebssystem erneuert. Das heisst es muss einmal eine grosse Datei heruntergeladen werden und anschliessend muss der schwache Prozessor den Updatevorgang abwickeln.

Beim Herunterladen wird keinerlei Quelle angegeben, man kann nur hoffen, dass es von der Firma Kobo kommt, welche den Tolino vermarktet. Der Prozess kann mehrfach abbrechen, die Statusanzeige wird dabei nicht zurückgesetzt und notfalls kann man nur ganz ausschalten und erneut beginnen. Das selbe gilt für das System-Update am Tolino selber. Man tippt ahnungslos herum und weiss nicht so recht was passiert. Der zuvor eingeblendete Hinweis, dass der Akku voll geladen sein sollte, ist somit gerechtfertigt.

Tolino Hardware

Ich will nicht ausführlich auf Hardware eingehen, da dieser Punkt im Netz schon oft behandelt wurde.

Speicher unzugänglich

Es gibt das Tolino Shine mit 2 oder mit 6 GB, die für Bücher bereitstehen (Handelsnamen “2 HD” und “4 HD”). Die angegeben Zahlen für Bücher sind allerdings masslos übertrieben (2000 und 6000). Der Wert wird stark durch Bücher mit Bildern gedrückt und ganz stark schrumpft der verfügbare Speicherplatz, wenn man alte Bücher lädt, die aus Scans bestehen (meist als PDF verpackt). Reine Text-Bücher machen effektiv maximal 200kB aus. Ein 600-Seiten-Buch aus Scans kommt aber auf 140MB! So benutze ich auf meinem Tolino mit rund 250 Büchern über 1GB Speicher. Das heisst, dass man sowohl mit “2 HD” als auch “4 HD” schnell voll sein kann.

Das eigentliche Problem ist aber, dass der Tolino keinen offen SD-Karten-Slot für Speicherweiterung hat. Der Witz ist ja, dass im Tolino ein physischer Slot aufgelötet ist, in dem eine echte SD-Karte steckt, die eben zu rund 2GB mit dem System belastet ist, der Rest ist für Bücher frei. Einen zweiten Slot anzubieten, oder wenigstens den ersten zugänglich zu machen, wäre echt kein Luxus gewesen. SD-Karten sind recht billig, und der Tausch theoretisch einfach, bloss hat der Hersteller das Prozedere absichtlich verkompliziert, weil es u.A. spezielle Formatierungen braucht.

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