Sanierung der Sitzfläche der Variotech 333 von Reimo

Thema: vom Lieferwagen zum Camper.


Wie unter Baufehler und Pfusch von Reimo an der Variotech 333 Sitzfläche beschrieben, ist bei mir das tragende Element im Rahmen der Sitzfläche der Schlafsitzbank gebrochen und in der Form nicht sinnvoll sanierbar. Ich habe lange herumüberlegt, wie ich eine stabile Fläche in den Rahmen bekomme, die aber gleichzeitig eine gewisse Elastizität aufweist. Metallplatten oder Profile kamen nicht in Frage, weil diese entweder brechen oder sich strecken und so verbeult zurückbleiben. Das sah man am gebrochenen Gitter und den verbogenen Metallbänder in der ursprünglichen Version nur zu gut.

Ich besann mich der Materialen, die ich für den Boden einsetzte, das ist beschichtetes Birkensperrholz. Es ist extrem hart, bruchfest und lässt sich gut bearbeiten. Es wäre nicht einfach möglich, solch eine Platte direkt am Rahmen zu fixieren. Erstens befinden sich dort dicke Schweisspunkte, die man abflexen müsste und das könnte den Rahmen schwächen. Zweitens müsste man die Platte von unten wieder anschrauben (das Sitzgewicht kommt von oben) und zu guter Letzt wäre das wieder ein starres Konstrukt.

Noppen der Schweisspunkte am Rahmen der Schlafsitzbank Variotech 333 von Reimo

So kam ich auf die Idee, ein Brett „schwimmend“ im Rahmen zu befestigen und nahm Modell an Segelschiffen: eine Reepschnur wird kreuzweise wird durch Löcher im Brett geführt und rum um den Rahmen gewickelt. So kommen rund 16 Meter Reepschnur um den Rahmen, dessen Umfang rund 3 Meter ausmacht.

Die Platte besteht aus beschichteten Birkensperrholz, hat 9 Millimeter. Der Handelsname ist Wisaform. Die Reepschur kommt aus dem Baumarkt, ich habe eine mit 5 Millimeter Durchmesser gewählt. Natürlich darf sie nicht dehnbar sein.

Die Verteilung der Löcher folgt mehreren Prämissen:

  • Versetzt, um durch die Löcher keine Sollbruchstelle zu erzeugen.
  • So verteilt, dass das Seil am Ende tunlichst nicht über die Schweisspunkte am Rahmen führt.

Nach dem Bohren der Löcher in der Wisaform-Platte. Die Löcher und Kanten müssen noch abgerundet werden, um die Reepschnur nicht aufzuscheuern.

Ich feile die scharfen Ecken bei den Schweisspunkten ab und lackiere schnell mit der Spraydose darüber. Es geht weniger darum gegen Rost vorzubeugen als die Kanten durch den Lack mehr abzurunden.

Die Kabelbinder dienten der Fixierung vor dem Einfädeln und Wickeln der Reepschnur.

 

Das Seil ist in einem Stück rund um den Rahmen geführt und so stark wie möglich gespannt. Die Platte bewegt sich ansatzweise ein paar Millimeter auf und ab. Natürlich wird die Reepschnur nach mehrmaliger Benutzung nachgaben und man wird sie nachspannen müssen. Das geht aber mit den Seilspannern, die ich an beiden Enden angebracht habe ganz gut.

Grob kann man einfach weiter vorne einhängen, feinjustieren geht mit zwei Seilspannern.

Vor dem Zusammenbau habe ich den Überzug gewaschen. Das war wirklich nötig. Der Stoff ist mit feinem Schaumstoff gefüttert, ich habe ihn daher mit Flüssigwaschmittel händisch in der Badewanne gereinigt und an der frischen Luft trocknen lassen.

Da das neue Brett nicht ganz auf der Ebene des damaligen Gitters zu liegen kommt, habe ich bettseitig eine zugeschnittene Isomatte eingelegt. Sie ist rund 6mm stark.

Ein Problem bereiteten mir die drei abgesenkten Sitzbereiche. Hier fassten ja Stoffstücke durch die Polsterung und waren am Gitter mit 3×16 Stück Aluringen  fixiert. Im Bild unten sieht man diese Stoffteil mit schwarzem Rand (das ist ein Kunsttoffband).

Man kann den Bezug recht einfach abnehmen, wären nicht die Stoffteile, welche die Sitzflächen nach unten ziehen.

Da mir nun das Gitter fehlt und ich nicht zusätzliche Löcher in mein Brett machen will, habe ich die Stoffteile bloss mit einer ca. 2mm starken Schnur an den Stellen verbunden, wo zuvor die Aluringe Halt hatten. Natürlich wird der Stoff nun nicht so gut nach unten gezogen und die Sitzflächen treten optisch nicht mehr so gut in Erscheinung. Es ist allerdings nur ein wahrlich optisches Problem, die Versenkungen befinden sich ja auch im Schaumstoff und nur diese geben das bisschen Seitenhalt.

In ersten Sitz- und Liegeversuchen hält die Sanierung mit Wisa-Form und Reepschnur die Sitz- und Liegefläche gut in Position. Es gibt kein Knirschen und Krächzten mehr. Die Sitzfläche fühlt sich härter an, aber das liegt nur daran, dass die formgebende Struktur davor völlig kaputt war und durchhang. Die Liegefläche ist völlig eben und wie ursprünglich nach dem Kauf.

Beim Vergleich mit Bildern als die Bank neuer war, ist mir aufgefallen, dass die Wülste zwischen den Sitzflächen abgeflachter sind. Das ist besonders beifahrerseitig, wo man von der Bank abwärts nach aussen rutscht, auffällig. Der Umstand ist nicht meiner Sanierung des Gitters geschuldet, es ist einfach eine altersbedingte Abflachung des Schaumgummis.

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