Wechselrichter Phoenix 12|800 von Victron Energy

Ein alter Reisefön hat mitten im Winterurlaub den billigen 600W-Baumarkt-Wechselrichter restlos zerstört. Die Suche nach einem Ersatz gestaltete sich mühsam. Ich suchte zuerst etwas gleichwertiges und vor allem gleich grosses, weil der alte Konverter war passgenau verbaut. Bei Conrad (online Handel) gibt es eine grosse Auswahl. Ein erstes Modell schickte ich zurück weil es nicht abzuschalten war (Konstruktionsfehler). Ebenso ein zweites, wo die Stecksicherungen samt Sicherungshalter auf die Platine geschweisst waren (Pfusch). So wechselte ich auf bessere und teurere Konverter, mit dem weiteren Pech, dass das gewählte Modell ausverkauft war. Hauptnebenwirkung, ein neuer Platz muss dafür her. Glücklicherweise passt er unter den Fahrersitz trotz Drehkonsole.

Nach ein paar zusätzlichen Wochen langte der Wechselrichter Phoenix 12|800 ein. Massiv und schwer, schaut gut gebaut aus und ist es auch. Im Gegensatz zu anderen billigeren Modellen kommt das Gerät völlig ohne Zubehör wie Kabel oder Klemmen. Das ist in Ordnung, weil man diese ja selten in ebendieser Form und Länge braucht.

Fehlende Information und Hardware

Die Bedienungsanleitung ist zwar formell korrekt und gesetzeskonform, aber es fehlen wesentliche Informationen wie Schwellwerte für Alarm und Abschaltung. Es wird zwar angemerkt, dass man dies mit (kostenpflichtigen) Zubehör auslesen und auch einstellen kann, aber das Gerät wird gänzlich ohne zwingenden Zubehör ausgeliefert. Also müssten die Ausgangswerte wohl im in der Basisversion angeführt werden, man sucht danach aber vergeblich. Zur Info, sie lauten:

  • Ausgangsspannung: 230V
  • Ausgangsfrenquenz: 50Hz
  • Dynamisches Abschalten: deaktiviert
  • Abschalten bei schwacher Batterie: 9.80V (arg schwach)
  • Alarm & Neustart bei schwacher Batterie 11.70V (definitiv zu hoch für den Campingbetrieb)
  • Ladezustandserkennung: 14.00V
  • Mindestleistung zum Wiedereinschalten: 15W
  • Suchintervall ECO-Modus: 3s

Da die Werte fehlen, muss man sie einsehen. Aber es fehlt auch das proprietären Kabel zur Konfiguration über USB. Es gibt an der Geräteseite einen Port mit vier Pins, in welches ein Kabel mit USB-Anschluss passt. Der USB-Stecker ist recht dick und lang, es wird hier wohl noch spezielle Elektronik verbaut sein. Einfach die vier Pins mit vier USB-Kontakten verbinden wird nicht klappen. Wer es trotzdem versuchen will, hier die Belegung von links nach rechts (Schlitz oben):

  1. Masse
  2. VE.Direct-TX
  3. VE.Direct-RX
  4. Plus

Das Kabel kann man online an diversen Stellen besorgen (zwischen EUR28 und EUR50). Es gibt auch einen Bluetooth-Sender mit Anschluss an den selben 4er-Port (EUR50 aufwärts). Auf der Seite von victronenergy.com  gibt es auch Angaben zu Vertriebspartnern weltweit. Ich hatte Glück und fand einen bei mir in Innsbruck: energiebig.com. Achtung: viele der angebenden Vertriebe sind Grosshändler, welche ungern an Private verkaufen.

Der Wechselrichter kostet ca. EUR300,- und das Kabel wird, wie jeder Zubehör, vermutlich verteuert um ca. EUR30.- verkauft. Es wäre keine Kunst es beizulegen oder wenigstens es im Verbund anzubieten (Conrad bietet es selber nicht an).

VE.Direct USB-Kabel

Software zur Kommunikation mit dem Phoenix 12|800

Es gibt auf der Webseite victronenergy.com Software für verschiedene Betriebssysteme, für Windows brauchte ich VictronConnectInstaller.exe. Das Programm installiert sich gut, doch Überraschung, es wird trotz Kabel und eingeschaltetem Wechselrichter „kein Gerät gefunden“. Es steht zwar nirgends, aber es braucht auch noch den Treiber CDM21216_Setup.exe. Man kann nur hoffen, dass es hier länger Updates gibt. Grundsätzlich ist die Methode mit proprietärem Kabel und ebenso proprietärer Software, welche auch eigene Treiber braucht, nicht die feinste Art Geräte zu steuern.

Unten das Interface mit ausgeklappter Konfiguration. Die Standardansicht blendet rechts der kreisförmigen Leistungsskala lediglich die Ausgangsspannung und die Batteriespannung ein.

VictronConnect Software Ansicht

Innenleben

Das Gehäuses dieses Models besteht nicht aus Aluminium sondern aus Blech unten und einer Kunststoffhülle, welche das Gerät etwas nach Kleintierkäfig aussehen lässt. Unten befinden sich vier Kunststoffschrauben, dann lässt sich die Abdeckung locker abnehmen. Innen schaut es schön aufgeräumt aus.

Geöffneter Wechselrichter Phoenix 12|800 von Victron Energy

Beim alten Wechselrichter, der unter einem Möbel verstaut war, hatte ich die Leuchtdioden und den Schalter abgekoppelt und an eine leichter erreichbare Stelle verlegt. Hier geht das noch weniger gut weil alle Anschlüsse direkt angelötet sind. Natürlich kann der Hersteller auf die Fernsteuerung per Bluetooth hinweisen, aber den Block mit Schalter, Leuchtdioden und Datenschnittstelle hätte man schon als eigenes Modul bauen können, das man einfacher Verlegen kann.

Platinen, Anschlüsse und Sicherung des Wechselrichters Phoenix 12|800

Man muss Victron Energy aber zugute halten, dass es eine Möglichkeit gibt, einen externen Schalter anzuschliessen, es handelt sich im den grünen Block, der von Haus aus mit einem kurzen Stück draht direkt verbunden ist. Der grüne Teil ist ein Stecker, den man auch entfernen kann.
Im Bild oben sieht man auch die einzige Wechselsicherung (200A).

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