Fahrt in die Bay Area und ins nördliche Marin County

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CA Big Oak Flat Road W: Big Oak Flat Entrance
CA 120 W: Manteca, Mossdale
CA 205 W, CA 580 W, CA 680 N: Walnut Creek
CA 24 W, CA 13 W, CA 580 N: Oakland, Berkeley, Richmond, San Rafael

Über die Diablo Range

Um nach San Francisco zu gelangen, müssen wir das große kalifornische Längstal San Joaquin Valley durchqueren. Bis Jacksonville am großen Don Pedro Reservoir geht es zunächst durch bewaldetes Gebiet stetig bergab von den Höhen der Sierra Nevada. Danach stabilisiert sich die Seehöhe um 200m und die Straße wird schnurgerade. Wir fahren durch endlose, bewässerte Plantagen aller Art. Hier kommen z. B. die amerikanischen Mandeln her. Dazwischen geht es immer wieder durch kleinere Ortschaften. Wo nicht bewässert wird, wird es wieder zunehmend trockener. In dieser Ebene verlieren wir total das Zeitgefühl und es geht meilenweise pfeilgerade einfach so dahin.

Rund um Mossdale überqueren wir die verschiedensten Arme des San Joaquin Rivers. Wir kommen auf den Interstate Highway 205 und dann auf den Interstate 580, der die Hauptverbindung von San Francisco nach Los Angeles darstellt. Es ist dies ein 10- bis 12-spuriger Highway, wie man sich ihn vorstellt. Gigantische Trucks sind unterwegs, da aber rechts überholen erlaubt ist, und alle konsequent gleich schnell (etwa 10 mph über der Höchstgeschwindigkeit) fahren, ist es kein Problem. Bei Livermore quält sich diese gigantische Verkehrsader auf die Diablo Range hinauf (etwa 550 m), die als Teil der Coastal Range die letzte Hügelkette vor der San Francisco Bay bildet. Auf den Hügeln gibt es keine Obstplantagen mehr, nur noch goldgelb verbranntes Gras mit vereinzelten grünen Eichen drinnen. Am Rücken oben angekommen halten wir in der Nähe einer Raststation, um das beeindruckende Schauspiel der unzählbaren, bis zum Horizont verteilten Windkraftwerke zu bewundern. Diese sind in den verschiedensten Formen ausgeführt und dank des hier wahrscheinlich ständig vorhandenen Windes vom Meer her voll in Aktion. Die Sonne versteckt sich zwar auch hier ein wenig hinter den dünnen Schleierwolken, der Wind, der über die Hügel bläst ist aber auch jetzt am Nachmittag noch extrem warm und wir hüpfen bald wieder ins klimatisierte Auto und düsen weiter.

Darrieus-Rotoren am Altamont Pass. Auf der Diablo Range weht immer der Wind, ein idealer Platz für den Einsatz von Windkraftanlagen, obwohl der Pass nur 230 m hoch ist. Diese Darrieus-Rotoren standen 1996 am Pass nebem dem Interstate Highway, wurden jedoch seit dem gegen normale horizontale Flügelrotoren ersetzt.

Da die Gegend rund um die San Francisco Bay von mehreren Millionen Menschen bewohnt wird, ahnen wir Böses in Sachen Campingmöglichkeit. Auf unserer netten Karte (1 : 700000) ist ein Campground etwas vom Stadtgebiet entfernt im Mount Diablo State Park eingezeichnet. Da die Stunde schon fortgeschritten ist, peilen wir den einmal an. Da wir eine falsche Abfahrt vom Interstate erwischen, irren wir etwas durch die Gegend, bis wir zur Auffahrt auf den Berg kommen. Doch schon nach einem kurzen Stück die Ernüchterung: Der Park ist wegen erhöhter Brandgefahr geschlossen, und dies anscheinend schon den ganzen Sommer.

Da wir wirklich schon müde sind (und dringend eine Dusche nötig haben), halten wir Ausschau nach einem einfachen Motel. Doch Danville, der Ort am Interstate 680, scheint der reinste Nobelort zu sein. Es gibt nur Villen mit prunkvollen Gärten und Einfamilienhäuser. Dazwischen könnten wir nicht einmal daran denken, irgendwo das Zelt aufzubauen. Es bleibt uns also nichts anderes übrig, als in die Bay-Area hineinzufahren und darauf zu hoffen, dass es in den Vororten billige Absteigen gibt.

Bay Area

Der Highway 24 führt uns dann per Tunnel durch die Berkeley Hills und dann hinunter auf das gigantische Siedlungsgebiet und das Meer zu. Damit sind wir dann aber schon so gut wie mitten in den Randbezirken der Stadt unterwegs. Wir fahren zwar ein kurzes Stück abseits der größeren Highways, wollen uns aber nicht völlig in dem Häusermeer verirren. Als wir so Ausschau nach Motels halten, kommen wir bei einer dieser Temperaturanzeigen vorbei, wo gerade 62°F angezeigt werden. Die Umrechnung im Kopf ist uns zwar immer noch zu schwierig, aber im Vergleich zu den bisherigen Anzeigen, die durchwegs über 100°F gelegen sind, scheint das doch etwas wenig zu sein. Wir machen das Fenster auf und sind schockiert… es ist saukalt und auch unser Thermometer zeigt nur noch 16°C. Immer mehr fragen wir uns, was wir hier wollen und es wird bedenklich später.

Richmond San Raphael Toll Bridge. Diese Brücke ist bemautet und weist zwei Decks auf. Auf der oberen, also offenen Seite, geht es nach Nordwesten, darunter, mit weit weniger Aussicht nach Osten. 1996 wurde die Maut von USD1 nur in eine Richtung eingehoben.

Und weil wir nie stehen bleiben, fahren wir auch schon wieder am Interstate 580 über die riesige Richmond Bay Bridge (wo 1$ Maut zu zahlen ist) nach San Raphael und peilen den Landstrich nördlich der Golden Gate Bridge an. Hier sind einige State Parks im Atlas eingezeichnet. In einer so dicht besiedelten Gegend sind allerdings Karten 1:700000 nur bedingt geeignet. Am vermeintlichen Weg zu dem erstbesten State Park (Mount Tamalpais) kommen wir nach Mill Valley. Es ist wieder eine typisch noble Vorstadt der Bay Area. Wir fahren einfach nur mehr der Nase nach und nehmen eine Straße, die bergauf führt. Die Straße bietet viele Abbiegemöglichkeiten wird selbst aber immer schmäler, steiler und scheint demnächst in einer Garageneinfahrt zu enden: wir haben uns endgültig hoffnungslos verirrt. Als wir endlich jemand nach den Weg fragen, ist alles zu spät, wir müssen wieder zurück auf den Hauptplatz von Mill Valley.

CA 101 S: Mill Valley
CA 1 N: Olema, Samuel Taylor State Park

Marin County

Wir ziehen Konsequenzen, lassen unsern Straßenatlas 1:700000 liegen, fragen nach einer Buchhandlung, die wir auch prompt finden und kaufen dort eine Wanderkarte mit dem amerikanischen Maßstab 1:28575. Mit neuem Elan, und genau in die andere Richtung als vermutet, nämlich über die Küste, geht es zum Mount Tamalpais. Über den Panoramic Highway geht es steil und kurvenreich durch den Wald höher und höher hinauf. Am Pass oben (460 m) erreichen wir den Campground Pantoll. Die Sonne ist längst untergegangen und der Campground ist natürlich voll. Wir reservieren gleich für den folgenden Abend und fragen nach dem nächsten Campground mit Duschmöglichkeit. Wir erhalten auch eine vage Beschreibung zum nächsten State Park, „nur“ etwa 40km weiter im Norden und sie glauben schon, dass dort noch Platz sein könnte.

Wir fahren also die andere Seite wieder steil hinunter bis zum Meer. Die Pazifikküste wirkt im letzten Licht etwas verwirrend, eine optische Mischung aus Holland und Irland. In der Bolinas Lagoon stehen vereinzelt Reiher und anderes Getier im nebligen Wasser. Von der Küstenstraße zweigen wir noch in ein Tal ein und fahren über eine urige Straße zum Samuel Taylor State Park. Kurz vor 10 Uhr lässt man uns noch ein.

Wir stellen das Zelt am Overflow, wo sonst, auf einem mit Rindenstücken weich gestalteten Boden auf. Über uns wachen gigantische Redwoods. Diese Bäume garantieren einen langen Schlaf, Sonne kommt hier so gut wie nie durch. Noch vor dem Essen wird geduscht (nach Las Vegas auch langsam überfällig). Es gibt hier tatsächlich sehr schöne Duschen (im Preis von 15$ pro Platz inbegriffen). Da es André nicht mehr erwarten kann, geht er gleich in die Damen-Duschen. Um diese Zeit duschen sonst eh nicht viele Leute und wir kommen zum vollen Genuss. Nach dem Abendessen fallen wir todmüde um. Es wird eine angenehm kühle Nacht. Uns ist nicht klar ob es regnet oder ob die Luftfeuchtigkeit so hoch ist, jedenfalls sind wir eindeutig am Pazifik angelangt!

Donnerstag, 23. Juli 1996

CA 1 S: Mount Tamalpais SP CG

In der Früh tropft es vom Baum… aber es regnet nicht sondern es ist nur neblig und kühl. Wir frühstücken zwischen den großen aber weichen Rindenstücken, die wir jetzt auch bei Tageslicht sehen. Da dieser Campground aber wirklich weit ab vom Schuss liegt und alle anderen schnell zur Überfüllung tendieren, fahren wir gleich nach dem Frühstück zurück zum Mount Tamalpais Camp Ground und stellen dort das Zelt auf. Während die einen ihre Zelte gerade abbauen, stellen wir unseres hier in den sandigen Boden zwischen den Bäumen. Ja, es ist hier heroben viel trockener und wärmer, sogar die Sonne scheint ungetrübt vom Himmel.

Wir machen uns auf in die Stadt.

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