San Francisco

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CA 101 S (Golden Gate Bridge): San Francisco

Über Golden Gate Bridge in die Stadt

Wir fahren über die nördlich vorgelagerten Hügel in Richtung Golden Gate hinunter. In einer Höhe von etwa 220m tauchen wir in den Nebel ein, ein kräftiger Wind weht die Nebelfetzen über den Rücken. Die eigenartigen Bäume, die hier wachsen, sind ebenfalls alle vom Wind in West-Ostrichtung verformt. Weiter unten stecken wir dann voll in der Nebelsuppe und der Wind wird etwas schwächer, aber es ist einfach saukalt. Über den berühmten Interstate 101 geht es dann auf die Golden Gate Bridge. Die Brücke verbringt den Großteil ihrer Zeit vom Nebel eingehüllt, so auch wenn wir dort sind. Bei der Fahrt in die Stadt kostet die Überquerung 3$, die in bar an einer gigantischen Mautstelle zu bezahlen sind, in die andere Richtung kostet die Überfahrt nichts.

Zunächst fahren wir ziemlich planlos in die Stadt, wo zwischen dem Nebel stellenweise wieder die Sonne herauskommt. Die Luft ist für einen Stadtbesuch eigentlich gerade angenehm kühl. In der O’Farrell Street nahe dem Union Square fahren wir in eine Parkgarage, wo wir die Autoschlüssel einem Typen geben müssen, und dafür ein Markerl wie bei einer Garderobe bekommen. Wir müssen sagen, wann wir das Auto wieder holen wollen und der Typ parkt das Auto dann ein. Auf diese Art ist die Parkgarage unglaublich voll, alle Autos sind komplett verparkt, allerdings scheinbar mit System (hoffen wir zumindest).

Wir stapfen durch die Straßenschluchten zum Visitor Information Center. Das ist aber unglaublich schlecht gestaltet, es gibt nur Papierkram in verschiedenen Sprachen. Wir nehmen nur alles was nach Karten aussieht mit. Also müssen wir mit unserem Führer auskommen. Da wir noch etwas Zeit haben, bis das Auto abzuholen ist, schauen wir noch beim Cable Car Turntable zu, wie gerade eine dieser Cable Cars händisch umgedreht wird. Das Ganze ist halt ein unglaublicher Touristen-Gag. Die Cable Car selbst ist so vollgestopft, dass man sich nicht einmal mehr außen anhängen könnte, also beschließen wir das Fahren zu lassen.

Amerikanisches Feuerwehrauto. Dies ist ein älteres Modell des San Francisco Fire Department (Nummer E28), mit Chrom und einer auffälligen Glocke rechts vorne. Das Gefährt war hier im Einsatz.

Wir holen das Auto wieder ab und ringen uns durch zumindest große Stücke des 49-Miles-Scenic-Drive zu fahren, einer etwa halbtägigen Stadtrundfahrt im Auto, wobei man bei den wichtigsten Sehenswürdigkeiten vorbeikommt. Dieser ist durch blaue Tafeln beschildert und meistens zu finden. Auf der weiteren Fahrt begegnet uns ein Feuerwehrauto mit Leiter im Einsatz, faszinierend, die Dinger sehen hier erstmals wirklich so aus, wie im Film. Sonst sind die amerikanischen Feuerwehrautos eher Neongelb angemalt. Hier sind sie so schön rot-weiß mit den verzinkten Geräten. Wie immer steht in solchen Augenblicken der Verkehr wie auch alle Fußgänger in der weiteren Umgebung völlig still und irgendwo weit weg von der Straße… also das funktioniert hier wirklich nicht schlecht.

Telegraph Hill

Wir beschließen unsere Rundfahrt am Telegraph Hill zu beginnen. San Francisco besteht vorteilhafterweise ja aus vielen Hügeln, von denen es sich anbietet hinabzuschauen. Der Telegraph Hill ist der nordöstlichste Gupf (90 m), von dem man eine schöne Sicht über die Bay hat. Wir parken an der Ecke Grant Avenue und Greenwich Street, wobei letztere danach in einer ganz schön steilen Sackgasse endet. Dann stapfen wir die paar Meter hinauf auf den Telegraph Hill. Oben am steht ein Aussichtsturm, der Coit Tower, einer architektonisch kuriosen Konstruktion im Stile der 30er Jahre. Der Eintrittspreis schreckt uns ab, aber wir sehen auch von unten genug. Nördlich liegt vor uns die Gefängnisinsel Alcatraz. In der Bucht sind vereinzelt Segler und größere Schiffe unterwegs. Im Westen sieht man knapp unterhalb der Nebeldecke gerade noch die Straße der Golden Gate Bridge, die Pfeiler stecken aber voll drinnen. Im Osten sehen wir dafür die ganze Länge der noch viel größeren doppelstöckigen San Francisco – Oakland Bay Bridge.

Es ist übrigens sehr grün in der Stadt, verschiedenste uns eher unbekannte Bäume und sonstige Gewächse blühen und gedeihen in üppiger Pracht. Die Sonne scheint hier wieder und der kalte Wind tut so gut im Vergleich zu den letzten Tagen.

Alcatraz vom Telegraph Hill gesehen. Die Statue die man im Vordergrund von hinten sieht, soll Columbus darstellen.

Russian Hill

Lombard Street

Weiter folgen wir nicht genau dem 49mi-Scenic-Drive, da gefallen uns die extrem steilen Straßen doch besser. Da die Stadtplaner die Topographie einfach völlig ignoriert haben, entstehen dank der Hügel auch die steilsten Straßen der Welt. Es ist sicher vorteilhaft, dass es in dieser Stadt nie Temperaturen unter 0°C hat. Nicht die steilste, aber die bekannteste ist die Lombard Street, die man vorsichtshalber mit Serpentinen versehen hat. Sie ist schön gepflastert und mit Blumenbeeten gesäumt. Verständlicherweise sind all diese Straßen nur abwärts zu befahren und die dazugehörenden Gehsteige mit Treppen versehen.

Befahren Lombard Street. Auch mit den Serpentinen ist es immer noch recht steil. Hinten rechts sieht man den Coit Tower am Telegraph Hill. Der attraktiv gestaltete Straßenabschnitt zählt heute zu den beliebtesten Fotomotiven der Stadt und wird hauptsächlich von Touristen benutzt, die den Slalomkurs einmal durchfahren möchten. Für Fussgänger verläuft seitlich eine Treppe.

Filbert Street, vor der Kante.  Hier sieht man die Ansicht eines Autofahrers am Weg zur oberen Kante. Schilder warnen vor dem was auf einem zukommt, die effektive Steilheit wird aber verschwiegen.

Nachdem wir die bekannteste Straße gesehen haben, wollen wir noch eine der „echten“ (also ohne Serpentinen und Schnickschnack) befahren. Dazu fahren wir zwei Blöcke weiter über die Filbert Street hinunter. Es ist ein wildes Unterfangen, auf den Abgrund zuzufahren, mit vielen Warnschildern („Steep grade“, „use low gear“, „10 mph“ etc.) und einem schönen Blick über die halbe Stadt. Dann ist nur noch die eigene Motorhaube zu sehen, bis diese mit samt dem ganzen Auto hinunterklappt. Nun gibt es nur noch eins: Bremsen!

Die Lombard Street war mit 27% am Russian Hill eine der steilsten Straßen der Stadt. Daher wurde sie 1923 in Serpentinenform als Einbahnstraße (bergabführend) umgebaut. Die nur zwei Blocks entfernt liegende Filbert Street hat sogar ein Gefälle von 31.5 % (17°), wurde aber nicht entschärft und konnte so in zahlreichen Filmen (Bullitt) als Sprungschanze dienen.

Filbert Street, direkt an der Kante. Hier sieht man die Ansicht eines Autofahrers direkt an der oberen Kante. Man steht keinen Meter vor der Kante und trotzdem sieht man die weitere Fahrbahn nicht. Links aussen erkennt man Autos und kann erahnen wie es weitergeht.

Die 31,5% Gefälle der Filbert Street Ansicht eines Autofahrers beim befahren des steilsten Abschnitts. Die 17° wurden im Gegensatz zur Lombardstreet nicht durch Serpentinen entschärft.

Wir parken uns auch streng nach Vorschrift rechtwinkelig zur Neigung ein. Beim Aussteigen sollte man absolut nichts getrunken haben, sonst kann es schon passieren, dass der eine nicht hinauskommt (weil die Türe so schwer ist) und der andere über die Straße hinunterkugelt (samt ausgeissender Türe). Die Häuser samt Garagen und Zufahrten sind ja schön waagrecht gebaut, ebenso wie die Querstraßen. Das verlangt von den Autos dann ganz schöne viel Flexibilität wenn es diese Drehung von der Straße auf die Einfahrt machen muss. Die Häuser sind übrigens hier typische Holzbauten mit Feuerleitern außen herunter und mit einem Wirrwarr von Kabeln, die beinahe alle Fenster verbinden.

Parken in der steilen Filbert Street. Die Filbert Street ist 31.5% oder 17° steil. Dafür werden normalerweise Stiegen eingesetzt, wie man es hinten auch am Gehsteig sieht. Parken ist hier nur senkrecht zulässig, das Auto geht ordentlich in die Knie (das rote links ist unser Mietwagen). Aber damit ist es noch nicht getan, der schwierigste Teil folgt erst: Autotüre aufmachen. Es ist egal ob man Fahrer oder Beifahrer ist. Das Problem ist das Eigengewicht der Türen. Der Fahrer muss zuerst die Türe nach oben aufstemmen. Auch wenn er sie ganz aufbekommt, bleibt sie nicht offen denn man kann Autotüren selten im rechten Winkel öffnen. Also aussteigen als Kraftakt und dann aufpassen, dass die Türe nicht zu wuchtig wieder ins Schloss kracht. Da merkt man erst, dass Griffe nicht dafür gemacht sind, Türen zurückzuhalten. Besser geht es mit geöffneten Fenstern. Der Beifahrer hat es beim Aussteigen einfacher, aber man muss auf Nachbarautos achten, die Türe fällt regelrecht aus dem Rahmen. Schliessen geht dann am besten zu zweit.

Golden Gate National Recreation Area

Wir fahren wieder auf den Scenic Drive zurück und weiter in die Golden Gate National Recreation Area. Dort lassen wir das Auto wieder stehen und stürmen zum Strand. Endlich wieder am Meer! Hier sind wir allerdings noch innerhalb der geschützten Bucht. Die Wassertemperatur ist noch geringer als die Lufttemperatur (geschätzte 14°C) und es hat wieder dicken Hochnebel. Von hier haben wir einen schönen Blick auf die Golden Gate Bridge, die aber bis zur Hälfte im Nebel steckt. Wir warten ein Randl, und hoffen auf eine Hebung der Nebelsuppe, aber diese hebt sich immer nur um gleich danach noch tiefer hereinzusinken. Derweil beobachten wir so allerhand Meerestiere (z.B. Seesterne und Anemonen) und Schiffe.

Das erfolglose Warten wird uns zu bunt und wir fahren weiter am Scenic Drive. Dieser führt durch die Parklandschaft vorbei an einem Army Hospital und dem San Francisco National Cemetery. Dann geht es nochmals hinunter zum Fort Point am Meer. Dies wurde 1855 mit 4m dicken Mauern gebaut und sollte mit 300 Soldaten und 126 Kanonen bewaffnet die Bucht schützen. Angegriffen wurde es allerdings nie. Eindrucksvoll ist dieser Ort trotzdem, vor allem weil unmittelbar darüber die Golden Gate Bridge die Meereseinfahrt überspannt. Kurz öffnet sich der Nebel und gibt den Blick auf die gewaltigen Pfeiler frei. Von unten ist die Eisenkonstruktion schon beeindruckend. Die Brücke ist zwar „nur“ 2.7 km lang, die Fahrbahnbreite beträgt 27.5m, die Fahrbahn liegt 67m überm Meer und die Pfeiler sind immerhin 227m hoch. Diese Dimensionen werden uns erst richtig bewusst, als ein Hochseefrachter wie eine Nussschale zwischen den mächtigen Pfeilern durchschippert. Da hier der Wind vom offenen Meer ganz schön hereinpfeift, ist uns nach diesem Schauspiel wirklich ordentlich kalt geworden.

Golden Gate Bridge mit Brückenpfeiler im Nebel

Ein ganz schönes Stück weiter fahren wir am El Camino del Mar hinaus zum Ocean Lookout Park (Point Lobos). Hier sieht man zwar durch die Bäume hindurch sehr schön zur Golden Gate Bridge zurück, aber diese steckt wieder zur Hälfte im Nebel. Ein kurzes Stück weiter stehen wir am Cliff House, einem erhöhten Punkt über der Esplanade des Ocean Beach. Wir sehen hinaus auf den unendlichen Pazifik. Vor uns liegt ein riesiger Felsbrocken im Meer, wo 9 Menschen wie aufgefädelt draufstehen und uns den Rücken zukehren (wir vermuten es sind Touristen oder Fischer). Weiter draußen liegen etwas unzugänglichere Klippen (Seal Rocks), wo sich Unmengen von Vögeln aufhalten, der Fels daher schon komplett weiß ist. Dementsprechend riecht auch die ganze Gegend nach Vogelsch… (Der Geruch des Meeres).

Seal Rocks vor San Francisco

Fast genau nach Süden erstreckt sich die Esplanade. Der Blick reicht über diesen phantastisch breiten und schier endlos langen Sandstrand. Auf dem ganzen Strand sind vielleicht ein paar Handvoll Menschen unterwegs. Das Bild, auf das wir uns schon die ganzen Wüsten Tage so gefreut haben. Es gibt nur ein kleines Problem: Der Hochnebel ist hier besonders dicht, es weht eine steife Brise und hat etwa 57° F, also 14° C. Wir beobachten sogar ein paar Surfer, die sich die langen Wellen, die vom Pazifik hereinbrechen zunutze machen. Die sind allerdings mit Neoprenanzug unterwegs! Das dunkelblau-graue, meist aber weiß schäumende Wasser lockt einfach nicht wirklich. Also versuchen wir es gar nicht mit Baden und schauen, dass wir weiterkommen.

Der Ocean Beach bietet einen schönen breiten Sandstrand am Pazifischen Ozean, nur leider das ganze Jahr über saukalt und so gut wie keine Sonne.

Golden Gate Park

Der Golden Gate Park beschreibt ein langgezogenes Rechteck, das mit einer Schmalseite am Pazifik ansteht. Er ist ein beliebter Erholungsraum in der gigantischen Stadt, dementsprechend groß ist am Nachmittag das Parkplatzproblem. Es ist eine Mischung aus Stadtpark, Botanischer Garten und Schönbrunn. Es schaut so aus, als würde es jederzeit regnen, aber das macht nur die hier höher liegende Nebeldecke aus. An der Vegetation merken wir dann allerdings doch, dass wir und nicht in einem Wiener Park befinden können. Hier wachsen nämlich Riesenfarne, Palmen, Bananen und andere komische Blumen im Freien herum. Ganz exotisch wird es im netten, kleinen Japanese Tea Garden, wo wir uns trotz teurem Eintritt einmal näher umschauen. Wir spazieren auch sonst noch ein wenig durch den Park, wo wir beim Conservatory of Flowers vorbeikommen, das wie ein Palmenhaus aussieht, nur dass die riesigen Palmen bereits davor stehen.

Gewächshaus im Golden Gate Park. 1996 war das historische Glashaus baufällig.

Japanese Tea Garden. Die hintere ist die Golden Gate Pagode.

Twin Peaks – Buena Vista Park

Das nächstes Ziel sind die Twin Peaks, ein etwa busenförmiger Doppelgipfel, fast 300 m hoch. Auf dem Weg dorthin warten wir wieder einmal bei einer roten Ampel, als ein schwarzer Fußgänger mit einer Wasserflasche auf uns zukommt, das Wasser über die Motorhaube schüttet und uns deutet: „Wash your car!“… naja, vielleicht hätten wir nach unseren schlammigen und staubigen Erlebnissen doch irgendwann einmal irgend etwas putzen sollen, aber so schlimm finden wir es dann doch nicht.

Die Twin Peaks standen an diesem Tag einfach nicht zur Verfügung. Wir waren zwar oben, aber die Sicht tendierte gegen Null und es war windig kalt.

Oben angekommen stecken wir mitten in der Nebelsuppe, ein ordentlicher Wind pfeift uns um die Ohren und es ist saukalt. Also fahren wir auf der Nordostseite der Twin Peaks wieder hinunter und das Wetter bessert sich schlagartig. Nur ein kurzes Stück unterhalb der Gipfel ist der Blick über die sonnige Downtown schon sehr schön. Man sieht auch zurück zum Sutro Tower, der gleich bei den Twin Peaks die Stadt überragt und wo die Nebelschwaden vorbeifetzen. Also weichen wir nochmals von der Scenic Drive ab und versuchen irgendwie zu einem besseren Aussichtspunkt zu kommen. Beim Buena Vista Park (sehr sprechender Name) haben wir den dann auch gefunden. Wir gehen über einen sandigen Hang hinauf zu einem schönen (wenn auch sehr windigen) Aussichtspunkt über die Downtown und die Hügel.

Sutro Tower bei den Twin Peaks

Von hier aus klärt sich auch dieses eigenartige Wetterphänomen. Der Nebel braust mit einer flotten Geschwindigkeit vom Pazifik herein, staut sich an den Hügeln der Stadt und fällt über diese drüber, wobei er sich dann auflöst, wie ein Föhn „im Kleinen“. Dieses Schauspiel aus so unmittelbarer Nähe zu beobachten ist wirklich beeindruckend. Einige Nebelfetzen schwingen sich dann manchmal noch über die Downtown, wo sie die höchsten Wolkenkratzer zu eben solchen werden lassen. Sonst scheint von hier ostwärts hauptsächlich die Sonne, nur die kühle Luft bleibt in der ganzen Bay Area erhalten.

Weil wir gerade wieder die Sonne sehen, fällt uns auf, dass diese schon wieder recht tief steht und wir wollen auf alle Fälle den Sonnenuntergang auf unserem Hügel im Norden erleben. Also brechen wir den 49 mi Scenic Drive im Stadteil Mission ab und suchen wieder was ganz triviales, nämlich irgend einen Supermarkt. Greislerartige Geschäfte sehen wir zwar jede Menge, doch bei uns steht wieder einmal ein Großeinkauf bevor. Auf unserer Suche gelangen wir immer mehr in den Süden der Stadt. Scheinbar im Hispano-Viertel angekommen, sieht es heruntergekommen und verhältnismäßig bedrohlich aus. Doch ausgerechnet hier finden wir unseren Safeway zum Einkaufen. Wir stellen also unser außen ausgesprochen dreckiges und innen völlig chaotisches Auto zu den anderen Schrotthaufen am Parkplatz. So sehr fallen wir hier gar nicht auf, daher machen wir uns wenig Sorgen.

Alles besorgt, haben wir es jetzt aber ganz schön eilig. Wir brauchen aber einige Zeit, bis wir uns wieder im Straßennetz zurecht finden und zwar vor allem deswegen, weil wir erst spät bemerken, dass in unserer Karte noch die beim letzten Erdbeben zerstörten Skyways (überirdisch angelegte Highways) eingetragen sind. Sie sind nur noch teilweise wieder in dieser Form aufgebaut worden. Mancherorts sind sie verlegt, oder auch ganz wegrationalisiert worden. Im Endeffekt lassen wir die Freeways Freeways sein und suchen die Van Ness Avenue und fahren auf dieser die ganze Stadt nach Norden.

CA 101 N, CA 1 N: Mount Tamalpais

Nacht wieder am Mount Tamalpais

Über die Golden Gate Bridge führen jetzt am Abend interessanter Weise mehr Spuren hinaus, als in die Stadt hinein, in der Früh war es genau umgekehrt. Erst am folgenden Tag werden wir sehen, dass einfach die Begrenzungsstangen zur Trennung der Fahrspuren umgesteckt werden, die Straßenbreite wird dadurch einfach an den Verkehr angepasst. Da wir am Vortag ja so ziemlich alle Straßen im Southern Marin County (mit dem Muir Woods National Forest und dem Mount Tamalpais) abgeklappert haben, finden wir recht schnell unseren Weg hinauf. Wir kommen auch wieder aus dem Nebel hinaus. Leider gibt es auf dem East Ridgecrest Boulevard (Straße zum Gipfel des Mount Tamalpais) ein Tor mit der Aufschrift: „Gate closed at sundown“. Wir fahren trotzdem durch, aber von dem Tor bis zum Gipfel ist es ganz schön weit, außerdem geht gerade die Sonne unter. Also beschließen wir bei einem schönen Aussichtspunkt in der Nähe von Rock Spring zu bleiben (ca.600m). Hier heroben herrscht wolkenloser Himmel, es ist windstill und mindestens um 10° C wärmer als unten am Meer.

Wir haben geglaubt, dass wir schön auf San Francisco hinuntersehen könnten, die Richtung müsste ja passen. Allerdings ist die ganze Stadt von hier aus gesehen unter der Nebeldecke versteckt, nur der Sutro Tower auf den Twin Peaks schaut phasenweise heraus. Das Meer ist auch nur in der San Pablo Bay zu sehen. Sonst liegt es komplett unter der fast ebenen Nebeldecke, die sich nach Westen bis zum Horizont erstreckt. Dort geht übrigens gerade die Sonne unter. Es wird dies der längste Sonnenuntergang, den wir je zu Gesicht bekommen haben. Die Sonne scheint zunächst, als sie an der Nebeldecke am Horizont anstößt, abgebremst zu werden, dann beginnt sie darauf so richtig zu zerfließen, wobei sie völlig die runde Form verliert, bis sie zum leuchtenden Strich auf der Nebeldecke wird, der sich zu allerletzt in einzelne Punkte auflöst. Außer uns sind da noch zwei Tauben, die auf einer Leitung sitzend das lang andauernde Schauspiel verfolgen.

Blick auf San Francisco in den Wolken. Abends ist die ganze Stadt unter dem Nebel vom Pazifik.

Kurz bevor es dann stockdunkel wird, finden wir in der Nähe noch ein Bankerl. Beim Start des Benzinkochers gibt es diesmal eine besonders große Stichflamme und wir sind froh, als es uns der Baum über uns nicht übel nimmt. Das Chili nehmen wir im Endeffekt aber wieder blind zu uns. Dann fahren wir das kurze Stück zum Campground zurück und plumpsen müde in die Schlafsäcke.

Mittwoch, 24. Juli 1996

In der Früh ist es immer noch angenehm warm und trocken hier heroben am Berg. Nach einem gemütlichen Frühstück brechen wir das Zelt wieder ab und fahren so wie am Vortag wieder hinunter in den Nebel, der sich in der Früh noch über die gesamte Bay breitet und über die Golden Gate Bridge nach San Francisco hinein, diesmal in Richtung Hafen und lassen dort auch gleich das Auto stehen.

CA 101 S (Golden Gate Bridge): San Francisco

Pier 39 am Fisherman’s Wharf

Wir spazieren durch das Hafenviertel und den Piers entlang. Am nordöstlichen Ufer von San Francisco sind viele Piers aufgereiht. Die meisten funktionieren auch noch als Hafen. Pier 39 ist hingegen rein touristisch genützt. Die meist zweistöckigen Holzhäuser sind großteils auch im oberen Stock mittels Gangbrücken verbunden. Es herrscht eine nette Atmosphäre mit vielen Blumen, besonders weil sich auch langsam wieder die Sonne zeigt. Wir spazieren am Embarcadero entlang und genießen die Aussicht über die San Francisco Bay.

Die Bay Bridge überspannt die Bucht von San Francisco und verbindet die beiden kalifornischen Städte Oakland und San Francisco.

Der Pier 39 ist ein Teil von Fisherman’s Wharf, eine ehemalige Bootsanlegestelle. Blick auf die Downtown, hinten der Financial District.

Cable Car

Später gehen wir zurück und da die Cable Cars auch am Hafen komplett überfüllt sind, steigen wir wieder ins Auto. Wir fahren die Hyde Street ein Stück hinauf und parken dort gleich wieder. Wir wollen die Cable Cars bei ihrer Fahrt über die doch beachtlich steile Hyde Street beobachten. Dabei fällt uns auf, dass die Haltestellen immer exakt auf den Kreuzungen sind. Nach kurzer Denkpause ist es logisch, sind dies doch die einzigen Stellen, wo alle Straßen eben sind und die Garnituren daher gefahrlos auskuppeln können und die Fahrgäste sicherer zu- und absteigen können.

Cable Car in der Hyde Steet, auf der Haltestelle auf der Querstrasse Bay Street. Mit Alcatraz im Hintergrund.

Von diesen Gefährten irgendwie begeistert fahren wir zum „Cable Car Barn and Power House“ auf dem Nob Hill. Das ist die Lebensader der Cable Cars. Wir fahren in die Washington Street und André hat alle Hände voll zu tun, um noch vor der nachkommenden Cable Car in die Parklücke zu flutschen. Wir schauen in das Power Haus hinein. Es ist dies das zentrale Antriebswerk aller Stecken. Riesige Kabelwinden halten die langen Seile unter der Straße am Laufenden. Die museumsreifen Gondeln kuppeln sich je nach Bedarf darauf fest. Das Power Hause (früher mit Dampf betrieben) ist als kleines Museum ausgebaut, welches wir uns auch anschauen. Wir sehen dort auch einen ganz netten kurzen Film über die Geschichte und Technik der Cable Cars.

Cable Car im Rückspiegel

Chinatown

Da das Auto gut parkt und wir eh mehr oder weniger in der Downtown sind, spazieren wir von nun an zu Fuß durch die Stadt. Zunächst geht es durch die Chinatown. Hier sind nicht nur die Gebäude, Straßenlaternen usw. im chinesischen Stil erbaut, es ist auch alles einzig und alleine Chinesisch beschriftet, und es sind auch hauptsächlich Chinesen unterwegs. Stellenweise fühlen wir uns schon sehr nach Asien versetzt. Immerhin wohnen hier ja auch etwa 75000 Chinesen.

Chinatown San Francisco

Financial District

Columbus Avenue und Transamerica Pyramid

Weiter bergab gelangen wir in den Financial District. Trotz der ständig präsenten Erdbebengefahr stehen hier beachtliche Wolkenkratzer. Der Bekannteste unter ihnen ist die Transamerica Pyramid, eine eigenwillige Konstruktion aus den 70er Jahren, eine immerhin 48 Stockwerke und 260m hohe Pyramide. Leider erkennen uns die Türsteher als Touristen (was zu diesem Zeitpunkt der Reise nicht mehr allzu schwierig ist) und somit dürfen wir nicht hinauf.

Dann gehen wir weiter zum Embarcadero Center, ebenfalls eindrucksvolle Gebäude. Als wir wieder zum Meer kommen, befällt uns der mittägliche Hunger, also beschließen wir am Rückweg durch die Chinatown einzukehren. Wir gehen einfach auf gut Glück in ein chinesisches Lokal in der Nähe vom chinesischen Postamt, wo auch tatsächlich nur Chinesen drinnen sind. Da der gesamte Raum völlig von Spiegeln begrenzt ist, kommen wir uns vor, wie in einer Halle zu speisen. Das Essen ist wirklich nicht schlecht, auch wenn wir nicht genau wissen, was es ist.

Am Fusse der Transamerica Pyramid. Die Transamerica Pyramid ist der größte und auffälligste Wolkenkratzer der Skyline von San Francisco.

Die Zeit für San Francisco ist damit aber leider schon wieder abgelaufen. Wir gehen zurück zum Auto und versuchen den Interstate 80 zu finden. Wegen der geänderten Skyways klappt das erst wieder auf den 3. Versuch aber so sehen wir von einem dieser Skyways nochmals sehr schön über die Downtown von Frisco. Mal unter der gesuchten Straße, mal über ihr haben wir es dann endlich geschafft und wir fahren voller Erwartungen auf die gigantische, 8 mi lange Oakland Bay Bridge zu. Stadtauswärts zahlen wir zwar wieder keine Maut, aber dafür fahren wir auch auf der unteren Etage dieser doppelstöckigen Brücke. Trotzdem macht die Konstruktion gewaltigen Eindruck.

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