Vordersitze mit Drehkonsolen

Thema: vom Lieferwagen zum Camper.


In einem kleinen Transporter muss man jeden verfügbaren Platz nutzbar machen, wenn man das Sardinenfeeling vermeiden will. Die vordere Fahrgastzelle stellt viel verlorenen Raum dar wenn man steht. Man kann dort zwar viel zwischenlagern, aber das hin- und herräumen ist mühsam.

Trennwand ausbauen

Der erste Schritt ist das entfernen der eventuell noch vorhanden Trennwand. In Österreich wird der Renault Trafic als LKW auch ohne Trennwand ausgeliefert, das heisst, man kann diese entfernen, ohne die LKW-Zulassung zu verlieren. Das gilt auch für alle anderen Transporter dieser Grösse. Rein praktisch ist man danach nicht mehr gehen herumfliegendes Ladegut geschützt.

Die Wand ist, im Vergleich zu anderen Transportern, recht einfach auszubauen. Alle Fixierungen sind geschraubt, bis auf zwei Nieten auf halber Höhe links und rechts. Die Alu-Nieten sind aber einfach aufzubohren. Die Torxschrauben sind jedoch bombenfest verschraubt und mitlackiert. Hier brauch man saubere Bits, sonst wird es unlustig.

Hat man die Trennwand ausgebaut, braucht man sich nicht darum kümmern sie weiterzuverkaufen, dafür gibt es keinen Markt. Es handelt sich (samt Scheibe) um Alteisen. In einem fertig ausgebauten Camper wird man sie später auch nicht mehr einsetzen können. weil man zum Herausnehmen durch die Schiebetür sehr viel Raum braucht und dieser dann sicher verbaut ist.

Ausgebaute Trennwand aus einem Renault Trafic

Ausgebaute Trennwand aus einem Renault Trafic

Mit starren Vordersitzen

Ein 5m langer Bus bleibt auch bei optimaler Raumeinteilung ein sehr kleiner Camper. Es ist dies sowieso nicht ein Ort, wo man tagelang drinnen bleibt und am Campingplatz steht. Der Hauptgrund, sich innen aufzuhalten, ist Schlechtwetter oder bei extremeren Reisen ist es ein Rückzugsort gegen die Kälte etc. Das heisst, man muss sich drinnen aus den Weg gehen können, wenn man das Bett umklappt, sich umzieht, kocht, etc. Wenn die Rückbank auf der hinteren Position steht, so hat man rund 70cm Platz in der Länge und die Bankbreite (rund 130cm) als Breite. Das ist zu zweit zu wenig, zu dritt gänzlich unmöglich.

Ich habe sehr schnell die unbequeme Doppelsitzbank gegen einen Einzelsitz getauscht. Es ist jedoch möglich, auch unter die Doppelbank eine drehbare Platte zu bauen, ein britischer Hersteller scheint der Einzige mit dieser Lösung zu sein: Kirvans double seat swivel. Man sollte sich aber vorher bei seiner örtlichen Zulassungsstelle erkundigen ob diese Drehkonsole für den Verkehr zugelassen werden kann. Das Drehen soll recht umständlich sein (lange Diskussion dazu in einem französischen Ausbauerforum).

Drehkonsolen für die vorderen Einzelsitze

Eine echt einfache und nicht zu teuere Abhilfe sind Drehkonsolen unter den vorderen Sitzen. Die Lehne dreht sich nach vorne, allein so gewinnt man viel zusätzliches Volumen. Vor allem aber hat man zwei vollwertige und bequeme Sitze, die nun in den „Aufenthaltsraum“ weisen und wo man einen Tisch aufstellen kann.

Die verfügbaren Drehkonsolen für den Renault Trafic haben einen exzentrisches Rotationspunkt, so kann man die Sitze auch bei geschlossenen Vordertüren wenden. Durch verschieben des Sitzes kann man den Fahrersitz bis an das Lenkrad zurück (eigentlich nach vorne) schieben. Der Beifahrersitz geht nicht ganz bis an das Armaturenbrett. Das hat aber auch Vorteile, man kann dahinter noch voluminöse Sachen lagern, die bei Regen schnell reinmüssen: Campingsessel, Schirm, nasse Schuhe.

Das klingt alles ganz nett, aber es gibt auch ein paar negative Seiten:

  • Durch die zwischengeschraubten Platten gewinnt man rund 3 cm an Höhe. Die Sitze sind von Haus aus schon recht hoch und werden so noch höher.
  • Der Gurt ist am oberen Teil der Sitzkonsole angeschraubt. Dadurch dreht sich der Gurt hinter die Lehne. Das stört nicht weiter, ist aber beim Drehen zu beachten (und auch beim Ausbau der Sitze).
  • Durch das Drehen nach innen darf nichts zwischen den Sitzen stehen.  Ich habe dort eine flache Kartenbox eingebaut.  Auch die Handbremse muss beim Wenden des Fahrersitz abgesenkt werden (!).
  • Der exzentrische Drehpunkt verhindert nicht, dass der umgedrehte Fahrersitz mit dem Seitenmöbel kollidiert. Entweder man kürzt das Seitenmöbel dramatisch ein oder der Sitz steht leicht schräg. Unbedingt die Drehkonsolen vor der Planung des Seitenmöbels anschaffen, das erspart nachträgliches Umbauen.
  • Wir haben hinter dem Beifahrersitz den Tisch beim Fahren fix verspannt und er wird nur für grosse Pausen aufgebaut. Das heisst, dass wir den Beifahrersitz wegen dem dort verstauten Tisch nur sehr selten wenden, obwohl dieser sich auch ganz gerade nach hinten drehen lässt.
  • Die Vordersitze sind weich, bequem und man sackt nach hinten ein. Zudem sind sie recht hoch. Wenn man nun aufrecht bei Tisch sitzen will, muss man sich auf die vordere Sitzfläche stemmen und recht angestrengt dort hocken.

Abgesehen davon sind die Sitze natürlich bequem und sofaartig.

Technik der Drehkonsolen

Die Vordersitze im Renault Trafic bestehen aus einem Sockel, darauf sitzt das Schienensystem und der Sitz. Zwischen dem Sockel und den Schienen kommen zwei stabile Stahlplatten mit einem hohlen Drehpunkt, um die Kabel zum Sitz durchführen zu können. Mittig gibt es einen Hebel um den Sitz zu entrasten, man dreht nach innen und der Gurt (am Sitz fixiert) spannt sich hinter der Lehne.

Die Kabel für Gurtstraffer etc. sind nicht wirklich zu lang. Mit Sachen unter den Sitzen wird dieses Kabel strapaziert und es kann zur Fehlermeldung „Airbag“ kommen, weil die Verbindung zu den Gurtstraffern gequält wurde. Konkret betroffen ist ein Stecker dort, der aber auch ohne Drehkonsolen oft Faxen macht.

Bezugsquellen und Zertifizierung

Es gibt mehrere  (leider wechselnde) Verkäufer, aber nur eine Hand voll Hersteller. Es ist ein sicherheitsrelevantes Teil im Verbund Sitz-Gurtsystem und die Drehkonsole muss TÜV-zertifiziert sein und mit entsprechenden Papieren ausgeliefert werden. Ein Vorführen beim Amt ist nicht nötig, letztendlich fallen die Konsolen auch bei den jährlichen technischen Kontrollen nicht auf.

2010 fand ich Drehkonsolen, die nur für den Opel Vivaro zertifiziert waren, aber dieses Fahrzeug ist baugleich mit dem Renault Trafic. Die TÜV-Papiere stammen vom 20. August 2003. Der Hersteller ist die Fa. Opel, Rüsselsheim. Man müsste die Drehkonsolen somit bei einem Opelhändler bestellen können.

In den Papieren tragen die Konsolen folgende Seriennummern: 09 267 240 (Fahrerseite), 09 267 241 (Beifahrerseite). Die nötigen Schrauben sind mitgeliefert. An den TÜV-Papieren haftet hinten eine schlecht kopierte Einbauanleitung.

Einbau der Drehkonsolen

Man muss die Sitze samt den Schienen von den Konsolen Schauben. Als weitere Schritte muss man den Sitz wegheben, die Konsole auf den Sockel schrauben, den Sitz zurückheben und wieder festschrauben. Es ist keine Hexerei, aber auf zwei dumme Fehler ist zu achten:

  • Unter den Sitz befindet sich ein Kabelstrang, den man am Stecker (normalerweise an die Sockel-Innenwand geklippt) vorher öffnen muss. Es sind über die Jahre mehrere Steckertypen und Kabelarten verbaut wurden. Bei mir musste man zuerst den gelben Teil herausschieben um den Stecker öffnen zu können. Die Batterie muss nicht abgeklemmt werden, der Startschlüssel muss aber bei der ganzen Operation gezogen bleiben.
  • Ein Ende des Gurts ist am Sitz befestigt, man kann den Sitz also ohne diesen abzunehmen (eine Schraube) nicht einfach hinaus vor den Wagen stellen. Aber nach hinten hat man normalerweise Platz. Zudem rollt sich der Gurt auch wieder ein, das kann man mit einem Knopf beheben.
Stecker für Gurtstraffer Renault Trafic Kastenwagen.

Stecker für Gurtstraffer Renault Trafic Kastenwagen.

Sind Kabel und Gurt entfernt oder gesichert, so kann man die Schienen lösen. Dafür den Sitz ganz nach hinten und anschliessend ganz nach vorne schieben. In den Schienen befinden sich vorne und hinten auf jeder Seite je zwei Torx-Schrauben, die ganz herausgeschraubt werden müssen. Nicht wundern, nach dem Lösen der jeweils zweiten Schraube fällt hinten ein Metallplättchen hinunter, auf dem die Gegenmuttern aufgeschweisst sind.

Schrauben der Schienen auf den Sitzkonsolen am Renault Trafic.

Schrauben der Schienen auf den Sitzkonsolen am Renault Trafic.

Gelösten Muttern und Schrauben der Sitzschienen am Renault Trafic.

Gelösten Muttern und Schrauben der Sitzschienen am Renault Trafic.

Auf den nackten Sockel kommt nun die Drehkonsole. Sie können mangelhaft beschriftet sein, aber durch die Exzentrizität des Drehpunkts kann man sie auseinander halten. Der Drehpunkt muss bezogen auf das Auto mehr nach innen und nach hinten weisen. Ausserdem befindet sich der Entriegelungshebel an der Innenseite und schaut nach hinten. In die je zwei Löcher gehören nun je zwei mitgelieferte Senkkopfschrauben (M8x20, Inbus). Um an die Stellen zu gelangen, muss man den oberen Teil der Konsole um ca. 45° drehen. Die Schrauben werden natürlich in die zuvor heruntergefallenen Mutterplättchen geschraubt.

Anschrauben der Drehkonsole zwischen Sockel und Sitzschienen des Renault Trafic.

Anschrauben der Drehkonsole zwischen Sockel und Sitzschienen des Renault Trafic.

Auf die montierte und geradegestellte Drehkonsole kommt nun der Sitz zurück, er wird mit den Originalschrauben M8x20 auf der Konsole montiert. Der Kabelstrang muss nun noch durch das Zentrum des Drehpunkts laufen und der Stecker wieder verbunden werden. Wenn man Zeit hat, kann man gleich den Stecker herausschneiden, die Kabel verlängern und mit Blockklemmen neu verbinden. Den Gurt wieder einrichten und man ist fertig mit der Arbeit!

Eingebaute Drehkonsolen im Renault Trafic. Der Fahrersitz kann nicht zur Gänze gedreht werden, das hätte zu gravierende Nebenwirkungen für das Küchenmöbel gehabt.

Eingebaute Drehkonsolen im Renault Trafic. Der Fahrersitz kann nicht zur Gänze gedreht werden, das hätte zu gravierende Nebenwirkungen für das Küchenmöbel gehabt.

Man kann den Sitz auch nur 90 Grad drehen, fahren darf man so allerdings nicht, auch nicht wenn kein Beifahrer drauf sitzt: man sieht nicht ausreichend aus dem Fenster und den Aussenspiegel. Aber wenn man einen der Sitze so dreht, kann man die Beine auf den anderen strecken und man befindet sich zur Gänze bequem in der Fahrerkabine. Und andere haben räumen, schlichten, kochen mehr Platz…

Beifahrersitz um 90° gedreht.

Beifahrersitz um 90° gedreht.

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