Radunfall mit Radiuskopfbruch Dezember 2025

Nun bin ich rund 3500 Kilometer mit dem neuen Radgefahren um mein lädiertes Knie fitt zu halten, bei jeden Wetter und allen Schwierigkeiten, es musste wohl einmal zu einem ernsteren Umfall kommen kommen. Bis jetzt handelte sich nur um Stürze im Wald auf Moos oder quasi im Stehen auf Eis. Dieser Abschnitt ist in Bezug auf das Knie ein Exkurs, aber natürlich hat die Armverletzung auch dramatische Auswirkungen auf das für das Knie notwendige Radfahren, es geht jetzt einfach wochenlang nicht mehr.

Ich fahre natürlich mit dem Rad wann immer es geht und so auch vom Gemeinderat bzw. dessen Weihnachtsfeier spät abends die kurze Strecke nach Hause. Beim Wegfahren höre ich, dass ich mein Rücklicht verliere. Es ist anscheinend nicht vollständig angeklippt gewesen. Ich fahre bereits, drehe allerdings meinen Kopf um und sehe tatsächlich das Rücklicht fliegen. Ich bremse zeitgleich, war aber durch das Umdrehen destabilisiert. Jedenfalls biss die Vorderbremse hart zu. Das Rad stellt sich samt mir auf, ich sehe heute noch den Vorderreifen regelrecht am Asphalt kleben. Irgenwann lasse ich den Lenker aus und strecke beide Hände nach vorne (unten). Es ist Winter und kalt, ich bin dick bekleidet und trage auch Winterhandschuhe. Mit der rechten Hand erreiche ich zuerst den Boden und die Hand hält ebenso am Asphalt, ich rutsche nicht ab. Das Rad stürzt nach hinten weg, sprich der Schwung war noch sehr gering, aber er reichte um mich aufzustellen.

Mein ganzes Körpergewicht landet also auf der rechten Hand und diese rutscht auch nicht entlastend vor. Ich habe keinen einzigen Kratzer und die Kleider sind alle ganz und unbeschädigt. Der mangelnde Schwung hat allerdings auch verhindert, dass ich weiter nach vorne fliege und so über die Schulter abrollen hätte können so wie es mir schon öfters passierte (auf Strassenbahnschienen oder im Wald), das ist zwar auch schmerzhaft, aber es kommt zu keinen starken Stössen. Zuletzt fällt also das Rad und mein Körper zu Boden. Es sieht so aus, also ob mein Rad und ich einfach so hingeworfen wurden. Jugendliche sehen den Unfall und eilen herbei, ich kann aber meine Sachen einsammeln (vor allem beide Lichter) und wieder aufsetzen. Ich fahre auch nach Hause, dusche hier noch und lege mich schlafen. Natürlich tut der Arm weh.

In der Nacht gehe ich vom Ehebett ins Wohnzimmer wo ich meine, den Arm besser lagern zu können. Aber an Schlafen ist nicht zu denken. Ich frühstücke, dusche noch mal und fahre Samstag den 13. Dezember 2025 auf die Notfallambulanz. Hier fragt man mich, warum ich nicht gleich gekommen sei. Ich antworte, dass der Unfall am selben Tag passiert sei, halt kurz nach Mitternacht. Das hat jedoch nichts am später diagnostizierten Bruch geändert. In einem ersten Röntgen ist fast nichts im Ellbogen, der vorrangig schmerzt, zu erkennen. Der Aufnahmewinkel lässt anscheinend die Teile so erscheinen als wären sie gut beisammen, man sieht nur einen Schleier im Knochen. Ein zweites Röntgen bringt Klarkeit. Durch den Sturz landete das ganze Körpergewicht auf der rechten Hand. Diese hielt stand. Der Schlag setzte sich bis in den Ellbogen fort wo das sog. Radiusköpfchen brach. Der Radius ist die Speiche, also der obenliegende Knochen des Unterarms. Dieser endet im einer Hohlform die am Oberarmknochen über ein Köpfchen greift, dieses aber nicht umschliesst und bei starken Armverdrehungen sich aus “auskuppeln” kann (im Gegensatz zur besser verankerten Elle). Anscheinend war dies beim Sturz der Fall und die Halbholform traf nicht genau auf das Köpfchen gegenüber. Ein Teil der Halbholform brach aus und verschob sich über 2 Millimeter nach hinten.

Radiusköpfchen und abgebrochene Stelle
Radiusköpfchen und abgebrochene Stelle

Diesen Versatz sah man dann im zweiten Röntgen, welches mit 45 Grad in den Ellbogen aufgenommen wurde. Der Spalt war grösser als 2 Millimeter, aber nur knapp. Das nennt man fachlich Radiuskopffraktur rechts Mason Typ II. An dieser Grenze wird entschieden ob man eine konservative Verheilung anstrebt oder ob operiert werden muss. Über 2 Millimeter muss normalerweise operiert werden aber es gibt nur um eine par Bruchteile Millimeter darüber. In der Notfallambulanz der Klinik Innsbruck will man die Entscheidung der Handambulanz überlassen und man verpasst mir einen Spaltgips von der Hand bis zur Schulter über den Rest des Wochenendes. Der Spalt bedeutet nicht dass er abnehmbar ist, er ist bloss ein wenig leichter. Ich war ganze 6 Stunden dort. Aber auch mühsam verletzte (Schulterbruch) liess man so lange warten.

Röntgen Ellbogen am Tag des Unfalls
Röntgen Ellbogen am Tag des Unfalls

Drei Tage später habe ich wieder einen Termin, diesmal in der Nachbehandlung auf der Handambulanz. Samt Gips komme ich ins CT. Beim Warten davor erzählt mir ein anderer Patient, dass Radiuskopfbruch 6 Wochen Gips und 6 Monate Physio bedeutet. Ich will es nicht so recht glauben. Nach dem CT komme ich in die Nachbehandlung. Die Ärztin schaut verwundert das CT an und vergleicht es mit dem 3 Tage alten Röntgen. Das Bruchstück ist “von alleine” wieder an seine ursprüngliche Stelle gewandert! Nun ist der Abstand weit unter 1 Millimeter. Es ist leicht verdreht, aber grundsätzlich richtig positioniert. Sie telefoniert lange mit anderen Ärzten wie nun zu verfahren sei. Sie lässt mir den Gips abnehmen und die Beweglichkeit des Ellbogens ist sehr gross (30 Grad Stecken und 100 Grad Beugen). Bei diesem Umstand telefoniert die Ärztin abermals mit Kollegen. Sie erklärt mir anschliessend, dass dieses “Zurückwandern” des abgebrochen Radiusköpfchens sehr selten vorkommt (1 von 10000 Mal) und sie mir deswegen den Gips nach nur 3 Tagen definitiv abnimmt und mir eine art Exoskelett verordnet. Es heisst richtig Orthese, weil es eine passive aussen anliegende Schiene ist. Sämtliche Drehbewegungen werden unterbunden und die Beugung des Ellbogens wird auf die 30 und 100 Grad fixiert. Nur zum Rausgehen und zum Beschaffen der Schiene wird mir der Gips wieder angelegt.

Oben sieht man gut die Fixierung der Drehbewegung der Hand. Wenn die Schiene gut sitzt, kann man die Hand auch nicht ausfädeln. Man kann die Armschlinge abnehmen, dadurch wird das Gestell aber nicht kleiner. Besonders der Armgriff verhindert jegliches Überziehen eines Jackenärmels.

Unten sieht man Streck- und Beugeeinstellungen am aussen liegenden Gelenk. Die Werte standen am Rezept der Klinik. Die Orthese wurde beim Orthopädie-Ausstatter nach diesen Werten eingestellt und mir dort angelegt (nachdem mir dort auch der Gips definitiv abgenommen wurde). Diese Geräte sind nicht billig, auf der Rechnung für die eine Orthese Epico ROMs rechts Large zahlt man am freien Markt EUR400,55. Mit meiner Versicherung der Gewerblichen Wirtschaft zahle ich selber nichts, bei der normalen ÖGK gibt es einen Selbstbehalt von mindestens EUR120,-.

Diese Orthese kann man natürlich abnehmen und somit auch mit den Arm duschen. Ich hatte bereits nach nur 3 Tagen argen Juckreiz unter der Achsel. Die Haut war nicht rot, aber mit einer leichten Tendenz zur Neurodermitis ist man hier leidgeprüft. Auch die Orthese greift genau dort hin, das Jucken geht also weiter. Nach verschieden Versuchen war bei mir die beste Abhilfe Antihistaminika (Tabletten) und Bepanthen (Salbe) dick aufgetragen. Ein Nachteil der Orthese ist, dass sie nur über das Gewand passt weil der Bügel in der Hand und das Aussengelenk sehr gross sind. Das heisst, man muss sie besonders im Winter die Schiene oft ab- und wieder anlegen. Dabei beweg man den Arm meist weit über die Grenzen und das schmerzt naturgemäss. Ich habe mich immer wieder gefragt, ob dies auch Teil der Therapie ist, konnte dazu aber keine schlüssigen Berichte finden. Diese Art Armschiene scheint es erst seit ein paar Jahren zu geben. Ich bin damit jedenfalls eine Attraktion. Die Beweglichkeit dient der schnelleren Genesung indem die starre Immobilisierung durch einen Gips umgangen wird.

Zwei Wochen später habe ich wieder einen Kontrolltermin auf der Klinik. Es wird wieder ein Röntgen gemacht. Dieses bestätigt, dass das lose Stück nach wie vor gut positioniert ist und langsam anwächst. Diesmal ist wieder ein anderer Arzt zugegen. Er lässt mich die Schiene abnehmen und den Arm bewegen. Es geht nicht viel mehr als zwei Wochen davor. Auch er grübelt länger über den Röntgen- und der CT-Aufnahme. Und befindet anschliessend, dass ich auch die Schiene ganz weglassen kann! Ich bin etwas unsicher und schnalle sie am Heimweg wieder um. Ich soll den Arm nun vier Wochen immer nur bis zur Schmerzgrenze bewegen und keinesfalls irgendwie belasten. Es beleibt offen, ob ich eine Physiotherapie machen muss.

Das geht anfangs ganz gut, ich habe ja 17 Tage gut einstudiert meine rechte Hand nicht verwenden zu können. Aber natürlich ist man immer wieder verleitet mehr zu tun. Nach einiger Zeit kann ich auch wieder mit der rechten Hand Zähne putzen. Nun kann ich auch wieder das Ladekabel in das Handy stecken ohne das Handy gegen eine Wand schieben zu müssen Aber Brotschneiden geht nach wie vor absolut nicht. Trotz der baldigen Bewegung fehlt es massiv an Kraft und Schmerzgrenze ist sehr schnell erreicht. Am 12. Jänner 2026 habe ich wieder einen Kontrolltermin auf der Klinik. Diesmal kein Röntgen. Aber eine Befragung über die Entwicklung. Da die Beweglichkeit nach wie vor beschränkt bleibt, wird mir 10 Mal 45 Minuten spezifische Physiotherapie verordnet. Eine davon soll vor dem nächsten Termin in der Nachbehandlung stattfinden um von dort Rückmeldungen zu haben. Die Bewilligungen dauern an. Ich werde aber langsam unruhig.

Recht schnell nachdem klar war, dass ich nun mindestens 2 Monate nicht mehr Radfahren kann, haben wir einen Hometrainer angeschafft. Meine Frau redet mir diesen schon lange ein weil hier in Tirol der Winter doch mühsam sein kann, ich hatte das Radeln nun aber auch volle zwei Winter durchgezogen. Nun war es also Zeit. Es ist kein Luxusgerät, es bremst halt und es zählt Zeit, Geschwindigkeit und theoretisch gefahrene Kilometer.

Heute, 15. Jänner 2026, bin ich 278 Kilometer gefahren, das sind zwischen 10 und 14 Kilometer täglich. Das ist mehr als ich sonst im Freien fahre und es ist auch anstrengender weil es keine Rollstrecken zum Pausieren gibt. Man radelt einfach durch, zwischen 40 Minuten und etwas über 1 Stunde. Ich habe vor mir keine Radfahr-Videos und die Schwierigkeit passt sich auch nicht irgendwie automatisch an. Mittels starker Musik, Podcasts oder Telefonieren kann ich mich gut ablenken und die Zeit vergeht im Flug. Um die Stunde und rund 12 Kilometer voll zu bekommen, brauche ich rund 15 Pop- und Rocklieder.

Hometrainer-Setting
Hometrainer-Setting

Ich warte also nach wie vor auf Physiotermine. Am 26. Jänner 2026 ist die nächste Nachbehandlung auf der Klinik anberaumt. Komischerweise soll dann noch ein Röntgen gemacht werden obwohl dann das Stückchen wieder ganz angewachsen sein sollte.

Hier ein Exkurs. Es geht um physiotherapeutische Praxen. Diese sind sind hier in Tirol quasi alle privat. Geführt werden sie aber teilweise wie in der Steinzeit. Zu meiner Überweisung brauche ich eine Bewilligung meiner Krankenkasse, den Schritt bin ich gewohnt, aber mindestens ein Werktag ist somit futsch. Ich schicke alles per Email an meine gewohnte grosse physiotherapeutische Praxis in Götzens. Wieder ein Tag vergeht. Ich muss noch die Kaution überweisen. Wieder ein Tag verplempert. Die Praxis meldet sich nicht. Die lapidare Antwort: ich muss auch den Zahlungsbestätigung nachschicken weil sie keinen Zugriff auf das Konto haben (!). Dieses vermeintlich letzte Hin- und Her veranschlagt wieder 2 Werktage. Zuletzt kommt aber der Irrsinn schlechthin. Meine Überweisung für 10x Physio sei falsch, ich brauche wenn dann Ergotherapie, ich möge das Umschreiben lassen. Ich kann als Laie nun nicht akut Physiotherapie von Ergotherapie unterscheiden. Mittlerweile weiss ich, dass erstes mehr zur vollen Wiederherstellung der Funktion und zweites eher zum besseren Umgang mit irreversibel kaputten Teilen gedacht ist. Aber es gibt naturgemäss keine strenge Trennung.

Freitag Nachmittag erhalte ich statt 10x 45 Minuten physiotherapeutische Einzelbehandlung PT02 bloss 1x 30 min Heilgymnastik und das um 7h in der Früh obwohl ich explizit um einen späteren Termin gebeten hatte. Ich erreiche natürlich dort niemanden mehr und frage mich warum man mich so schikaniert. Am Sonntag setze ich ein bitterböses Email auf und fordere meine Termine laut Überweisung. Am Montag Morgen sitzt jemand anderer dort beim Empfang. Viel verständlicher und ehrlicher. Man sagt mir frei heraus, dass es in den folgenden zwei Wochen ohnehin keine Termine gibt und der 7-Uhr-Termin nur eine eingeschobene Vorbesprechung sei. Mir wird aber angeboten von all dem Zurückzutreten und auch die Kaution zurück zu bekommen. Ich willige dem ein. Eine ganze Woche nur mit leeren Kilometern vertan und ich stehe nach wie vor ohne Physio-Termine da.

Wenn man sucht, sieht man, dass es auch in unseren Dorf mehr als eine Hand voll Pysiotherpapeuten gibt. Viele davon sind allerdings sehr spezialisiert (auf Kinder, nach speziellen “Schulen”, etc) oder bestehen nur einer einzelnen Person und sind mit beschränkten Öffnungszeiten. Ich wähle also die nächstgrössere Praxis in Götzens, der Terminkalender zeigt bis auf ewig ausgebucht. Ich schreibe trotzdem ein Email mit den Details meines Falls. Einen ganzen Tag keine Antwort. Also schreibe ich ein SMS zur Erinnerung. Am Abend kommt dann ein Anruf, dass alles voll sei, aber eine Kollegin hat noch Kapazitäten. Neue Telefonnummer also (obwohl alle unter einem Dach sind). Bis 20 Uhr am Abend habe so jedenfalls zwei Terminzusagen vor dem weiteren Kontrolltermin auf der Klinik am 26.01.2026. Es geht also auch anders.

Röntgen Ellbogen nach fünf Wochen nach dem Unfall
Röntgen Ellbogen nach fünf Wochen nach dem Unfall

Heute 20.01.2026 habe ich am Nachmittag meinen ersten Physio-Termin wegen Ellbogen. Dieser soll wieder mal hergestellt werden. Dann kann hoffentlich das Knie wieder in ruhigere Fahrwasser gelangen!

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