Western Digital, Huawei, Windows und die KI: langes Suchen garantiert

Ich habe gerade zwei volle Tage damit zugebracht ein NAS vom Typ Western Digital My Could Mirror zum Leben zu erwecken. Viele Pannen auf diesem Weg, die ich hier aufzeigen will.

Ausgangslage

Mein erstes RAID1-System ist ein WD My Book Duo mit 2x3TB Platten von Western Digital. Dieses System wird über USB an den PC angeschlossen. Das lief von ca. 2015 bis 2025. Ab ca. 2022 wird es aber vor allem durch ein echtes NAS vom Typ Synology DS220+ ersetzt, allerdings diente das WD My Book Duo als Backup für Video-Rushes, also Orignaldateien sowie Informationen, die ich nicht bei Fotos mehr dazu speichern wollte. 2025 versagt das Gehäuse von WD My Book Duo den Dienst, die Platten gehen aber noch. Allerdings kann ich nicht auf die Daten zurückgreifen, da diese verschlüsselt sind. Das sind sie, sobald man im WD-Interface in Passwort vergibt. Grundsätzlich nicht dumm, allerdings muss das gut dokumentiert werden, sonst endet es böse.

Hier unten das USB-RAID WD My Book Duo.

Suche nach einem neuen Gehäuse

Der logische Schritt, ein Leergehäuse gebraucht kaufen. Sollte es geben, denn am ehesten werden ja die Platten kaputt. Anscheinend nicht, denn die Suche zieht sich lange hin. In meiner Verzweiflung bestelle ich ein gebrauchtes WD My Could Mirror, das ist die NAS-Version des WD My Book Duo. Die Platten werden darin erkannt, allerdings habe ich nur die Option sie zu formatieren. Das liegt daran, dass das USB- und das NAS-System grundlegend unterschiedliche aufgebaut sind wie ich das nun erfahren durfte: Das NAS-System hat nur ein Hilfsbetriebssystem im Gehäuse und die sonstige Information steht in einem versteckten Sektor der Platten. Es kann höchstens die Platten formatieren und neu starten, aber selbst das nicht immer wie wir weiter unten sehen werden. Das USB-System hingegen kann besser mit neuen oder fremden Harddisks umgehen.

Hier unten das USB-RAID WD My Could Mirror V1.

Nach weiteren Monaten bestelle ich doch ein WD My Book Duo in den USA. Es kommt mit 2x2TB Platten. Ich hole sie heraus und stecke meine 2x3TB hinein. Die Platten werden erkannt, aber es wird nach den Passwort gefragt. Man hat fünf Versuche und dann ist es für alle Mal gelaufen, die Daten sind weg, auch Western Digital kann nichts machen. Die Suche nach einem passenden USB-Gehäuse war also unnötig. Ich formatiere also, verliere die Daten, habe aber wieder 3TB mit RAID1 verfügbar. Wohlgemerkt: ohne Passwortschutz diesmal!

Ein My Could Mirror und zwei Platten aus einem anderen System

Mir blieben also 2x2TB leere HDs und das ungenutzte WD My Could Mirror. Ich könnte die Platten einfach in meinen PC stecken, der hätte zwei freie Slots. Ich will es aber trotzdem probieren.

Wenn ich die Platten in das WD My Could Mirror stecke, blinkt die obere LED lange blau, wird dann stabil rot, und die zwei Platten werden mit je einer roten LED angezeigt. Soweit normal weil ein Teil des Systems auf den Platten liegt. Die obere rote LED deutet zudem an, dass das System hängt.

Einsatz der KI von Mistral.ai und Google

Die Webseiten, welche diese Kombination von Geräten behandeln sind rar und recht wirr aufgebaut. Ich strapaziere also die KI. Ich kann nicht behaupten, dass die Tipps falsch waren, aber man macht auch viele leere Kilometer.

Wegen der oberen roten LED wird mir geraten, das Gerät über Linux anzusprechen. Dafür braucht man eine USB-to-TTL-Schnittstelle. Die kostet nicht viel, das Problem ist, dass die Kontakte im WD My Could Mirror erst auf die Platine angelötet werden müssen. Das klappt auf über 10 Jahre alten und winzigen Lötstellen nur mässig.

Es müssen 3 Kabel angelötet werden. Normalerweise erfolgt das an der Vorderseite, da ist das auch per Aufdruck angedeutet. Die Lötstellen vorne waren aber nicht alle durchgehend, das heisst, mein Lötzinn griff nicht durch das winzige Loch auf jenes auf der Rückseite, daher sind hier 2 Kabel von hinten angelötet. Zugegebener Massen nicht schön, aber es hat funktionnert. Übrigens sind alle vier Kontakte gegeneinander Leitend wenn man sie durchmisst.

Kabel Anöten auf der Platine von WD My Could Mirror V1
Kabel Anöten auf der Platine von WD My Could Mirror V1

Ich kann aber das NAS ansprechen, allerdings geht das Abgeben von Befehlen in die Konsole nicht, weil ich den betreffende Kontakt schlecht gelötet habe. Ich baue das NAS wieder Zusammen und bekomme, wenn das NAS direkt am Linux-Lapop hängt auch ein Webinterface von WD, zwar nicht mit http://wdmycloudmirror/, aber direkt mit einer IP-Addrese vom Typ 169.254.X.X.

Erster sinnloser Tipp: Update des Betriebssystem des NAS WD My Could Mirror. Sowohl Mistral.ai als auch Google leiten mich auf Fehlerseiten bei Western Digital. Es folgen auch falsche Links zu alternativen Anbietern. Western Digital hat überhaupt keinen Treiber- und Firmware-Download mehr und macht alles über ihre Webinterfaces der Geräte. Und das WD My Could Mirror V1 ist von Western Digital nicht mehr unterstützt. Auf meinem WD My Could Mirror ist Sofware von September 2022, das scheint eine der letzten Zu sein.

Zweiter sinnloser Tipp: Da die KI aus meine Beschreibungen interpretiert, dass das Betriebssystem am NAS korrupt sein kann (was nicht stimmt, es lief ja normal unter Linux), rät sie, die Urversion des NAS-System darüber zu installieren. Dieses liegt auf einem Server mit russischer URL. Ich probiere das auch, das NAS akzeptiert die Datei, macht aber das Downgrade nie fertig. Auch nach zwei Stunden hängt das Update und es passiert nichts. Ich weiss nicht, wie ich von dieser Version auf die letzte gültige gekommen wäre, denn das WD My Could Mirror V1  erhält von Western Digital keine Dateien mehr.

Mit dem relativen Erfolg unter Linux hänge ich das WD My Could Mirror samt Platten an meinem Router, eine Huawei A1 Hybrid Box. “Hybrid” steht für ADSL und mobile Daten weil auch eine SIM-Karte drinnen steckt. Mit diesem Trick schummelt sich A1 darüber hinweg, dass die alten Kupferleitungen der Telefonleitung nicht genug Datendurchsatz haben. Bei mir nutzt das nichts, weil der PC in einem Eck steht, wo das ohnehin schlechte A1-Netz gar nicht hinkommt.

Doch das WD My Could Mirror erscheint nicht im Webinterface der BOX. Die KI, zuerst Mistral.ai und später Google, schickt mich nun massiv im Kreis weil sie annimmt, dass die rote obere LED auf ein hängendes System hindeutet. Der Tipp: Platten ausbauen und in einem Linux-System formatieren (ext4). Mein Problem: ich habe einen Windows-PC und einen Linux-Laptop, aber der schluckt keine grossen HDs und passende extere Gehäuse habe ich auch nicht mehr.

Dritter sinnloser Tipp: PC mittels USB auf Linux starten. Das geht, aber man muss auf eine Lenovo-PC im Bios herumwühlen, damit man überhaupt per USB booten kann

Vierter sinnloser Tipp: Nach dem ich Linux ablehne, werden mir Softwaretipps gegeben, wie ich das auch unter Windows machen kann. 4DDiG Partition Manager schaut gut aus, aber die KI merkt erst danach, dass diese Software nicht (mehr) ext4-Formatieren kann. Mit DiskGenius geht es zwar, aber nötig war es nicht, denn die Platten waren ohnehin leer und ext4-formatiert, sie stammen ja aus einem WD My Book Duo. Die Platten mehrmals im PC ein- und ausbauen ist natürlich auch aufwändig.

Fünfter sinnloser Tipp: Einspielen einer Basissoftware via USB, ja das WD My Could Mirror hat hinten auch zwei USB-Ports. Es geht um die Dateien uRamdisk.img und uImage.bin, jeweils ohne Endungen. So fährt das NAS allerdings sauber hoch. Das hätte es aber ohnhin getan, so wie am Linux-Laptop zuvor.

Sechster komplizierter Tipp: Das NAS direkt an den PC per LAN-Kabel anhängen. Das hat zur Nebenwirkung, dass man dort kein Internet mehr hat. Glücklicherweise versteht mein PC aber auch WLAN. Trotzdem sagt die KI, ich solle auch das WLAN abdrehen und den PC auf den IP-Raum des NAS 169.254.X.X einstellen. Weil der IP-Raum von der Huawei A1 Hybrid Box 10.0.0.X ist. Klingt logisch, klappt aber trotzdem nicht. Es geht nur wenn der PC auf DHCP bleibt, und das NAS quasi als Internetquelle versteht. Dann kann ich es 169.254.X.X ansprechen. Unter Windows bekommt man die IP in der DOS-Console mit arp -a, dies liefert IP, eindeutige MAC-Adresse und Verbindingstyp.

Im Webinterface des WD My Could Mirror , nun erreichbar unter http://wdmycloudmirror/ oder 169.254.X.X steht, dass das Gerät auf DHCP eingestellt ist. Allerding bei jedem Umstecken des WD My Could Mirror an die Huawei A1 Hybrid Box erscheint das NAS nicht unter den Geräten. Ohne IP oder Adresse, kann es Windows auch nicht ansprchen. Das Ganze geht hin- und her, die KI schlägt alle möglichen Systemresets des NAS vor (4, 20 und 40 Sekunden Reset nach dem Anstecken halten), aber all das bringt nichts.

Siebenter komplizierter Tipp: dem NAS eine fixe IP geben. Dafür muss man natürlich wieder direkt mit dem PC verbinden, dort offline gehen und das NAS-Interface abwarten und ändern. Aber auch das nützt nichts. Das NAS bleibt an der BOX unsichtbar.

Nun kommt doch der entscheidende Hinweis der KI, als ich Huawei A1 Hybrid Box explizit erwähne. Diese sei sehr sicherheitsoptimiert, akzeptiere keine unbekannten Geräte mit fixer IP und die vier LAN-Ports hätten intern unterschiedliche Funktionen, jedenfalls LAN3 und LAN4. Aber mein NAS steckt auf LAN1 (alle anderen 3 sind belegt und funktionieren, auf LAN2 ist der PC). Da ich nun doch stutzig werde, tausche ich auf der Huawei A1 Hybrid Box die Kabel zwischen LAN1 und LAN2 aus. Siehe da, der PC hat kein Internet mehr aber das NAS erscheint im Web-Interface der BOX (am Handy).

Fazit: der LAN1-Port am Huawei A1 Hybrid Box ist kaputt!

Ich kann im Nachhinein nicht sagen, ob das Betriebssystem des NAS WD My Could Mirror wirklich hang, und das “Aufwecken” mittels USB-to-TTL wirklich etwas brachte. Aber das ganze Hin und Her der Platten zwischen NAS und dem PC, die vielen Software-Tipps und das Update des Betriebssystem des NAS waren allesamt sinnlose Arbeit. Immerhin half das Herumprobieren mit fixer IP und DHCP um zuletzt auf den Fehler in der Huawei A1 Hybrid Box zu kommen.

Zäh!

Hier unten das Typenschild der Huawei A1 Hybrid Box. Darunter (das Bild ist am Kopf, damit man das Schild lesen kann) sind die vier LAN-Stecker, komischerweise von rechts nach links nummeriert.

Huawei A1 Hybrid Box
Huawei A1 Hybrid Box

 

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